Der Schwan von Pulitz

Ernst Moritz Arndt

1860

Schneeweißer Schwan, wo fliegst, wo klingst du her? Wo kommst du Frühlingsklinger hergeflogen? Aus meiner grünen Insel stillem Meer? Aus Pulitz’ sturmgeschirmten Wogen? Flogst du aus seinen stillen Buchten her? Und trägst im goldnen Schnabel goldne Mär?

Hast du die kleinern Inseln auch besehn? Die steile Oi, vom Vilm die stolzen Buchen? Den Rugard, Putbus’ waldbekränzte Höhn, Wo Reiz und Schönheit Aug’ und Herz versuchen? O klinge mir den süßen Heimatklang! Mein greises Haupt, es neigt zum Schwanensang.

“Zum Schwanensang? Für diesen kam ich nicht, Für diesen regt’ ich nicht zum Rhein die Flügel, Für diesen flog ich schnell wie Lieb’ und Licht So weiten Flug nicht über Tal und Hügel. - Du weißt, still schaurig klingt der Schwanensang, Heut kling’ ich eitel hellen Freudenklang.

Heut kling’ ich Klang der Himmelsnachtigall, Die Lieb’ und Lenz in Putbus’ Hainen singet, Heut kling’ ich nach den süßen Wunderschall, Der wie aus höherm Himmel niederklinget, Ich klinge nach - o könnt’ ich’s recht und ganz! - Du kennest Klang und Wonne, Licht und Glanz.

Nimm Klang und Gruß!” - Und horch’! Der Flügel rauscht, Und ehe Aug’ und Ohr sich noch besinnen, Wie man im Traum auf Bild und Stimme lauscht Und fassen will, ist Schwan und Flügel hinnen, Und wie aus Fernen klingt ein süßer Schall, Die Himmelsstimme, Putbus’ Nachtigall.

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Illustration zu Der Schwan von Pulitz

Interpretation

Das Gedicht "Der Schwan von Pulitz" von Ernst Moritz Arndt ist eine lyrische Reflexion über die Schönheit und den Zauber der Heimat. Der Schwan, ein Symbol für Anmut und Reinheit, wird hier als Bote des Frühlings und der Freude dargestellt. Der Sprecher fragt den Schwan nach seiner Herkunft und bittet ihn, den süßen Klang der Heimat zu erklingen zu lassen. Der Schwan jedoch bringt nicht den traurigen Schwanengesang, sondern einen hellen, freudigen Klang, der an die Himmelsnachtigall erinnert. Er singt von der Liebe und dem Lenz in Putbus' Hainen und von den Wundern, die wie aus höherem Himmel herabklingen. Der Schwan bringt eine Botschaft der Freude und des Lichts, die den Sprecher erfreut und berührt. Der Schwan verabschiedet sich mit einem Gruß und einem Flügelschlag, der den Sprecher an die Vergänglichkeit und die Ferne erinnert. Doch der Klang der Himmelsnachtigall bleibt in seinem Ohr und in seinem Herzen. Das Gedicht endet mit einem Ausruf der Bewunderung und der Sehnsucht nach der Schönheit und dem Glanz der Heimat. Der Schwan ist ein Symbol für die Verbindung zwischen dem Sprecher und seiner Heimat, die ihn auch in der Ferne begleitet und tröstet.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Für diesen flog ich schnell wie Lieb' und Licht
Anapher
Heut kling' ich Klang der Himmelsnachtigall, Heut kling' ich nach den süßen Wunderschall
Anspielung
Schwanensang als Anspielung auf das Sterben oder Abschiednehmen
Bildsprache
Pulitz' sturmgeschirmten Wogen, Putbus' waldbekränzte Höhn
Hyperbel
So weiten Flug nicht über Tal und Hügel
Kontrast
still schaurig klingt der Schwanensang, Heut kling' ich eitel hellen Freudenklang
Metapher
Schneeweißer Schwan
Personifikation
Der Schwan wird als Bote oder Sprecher dargestellt, der Klang und Gruß bringt
Symbolik
Schwan als Symbol für Reinheit und Schönheit
Vergleich
Wie man im Traum auf Bild und Stimme lauscht