Der Schreinergesell
1760My Hamberch hätt i glehrt, soso, lata; doch stoht mer ’s Trinke gar viil besser a as ’s Schaffe, sell bikenn i frei un frank; der Rucke bricht mer schier am Hobelbank. Drum het mer d’Muetter menggmool prophezait: “Du chunnsch ke Maister über wyt un brait ! " I ha ’s zletscht selber glaubt un denkt: Isch’s so, wie wird’s mer echterst in der Fremdi goh? Wie isch’s mer gange? Numme z’guet! I ha in wenig Wuche sibe Maister gha. O Müetterli, wie falsch hesch prophezait! I chömm kai Meister über, hesch mer gsait.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Schreinergesell" von Johann Peter Hebel handelt von einem Handwerksburschen, der seine Gesellenjahre auf Reisen verbringt und dabei eine überraschende Erkenntnis gewinnt. Der Sprecher gesteht ein, dass er zwar das Handwerk der Zimmermannsarbeit erlernt hat, aber beim Trinken und Feiern deutlich besser ist. Dies führt dazu, dass er sich an der Hobelbank kaum noch halten kann und seine Mutter prophezeit hat, er werde nie ein Meister überall werden. Die Ironie des Gedichts liegt darin, dass der Gesell seine Mutter prophezeit hat, er werde niemals ein Meister werden, aber durch seine Reisen und Erfahrungen als Geselle hat er in kurzer Zeit sieben Meister kennengelernt. Dies deutet darauf hin, dass er durch seine Reisen und das Leben als Geselle mehr gelernt und erlebt hat, als er es als Meister in seiner Heimatstadt getan hätte. Die Mutter hat sich somit als falsch erwiesen, und der Gesell hat seine Erfahrungen als Geselle als wertvoller empfunden, als er es als Meister getan hätte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- soso, lata; doch stoht mer ’s Trinke gar viil besser a as ’s Schaffe
- Betonung
- Du chunnsch ke Maister über wyt un brait !
- Gegenüberstellung
- O Müetterli, wie falsch hesch prophezait! I chömm kai Meister über, hesch mer gsait
- Ironie
- I ha in wenig Wuche sibe Maister gha
- Metapher
- Der Rucke bricht mer schier am Hobelbank