Der Schnapsrausch

Ludwig Eichrodt

1869

Niedrig ist der Rausch des Schnapsoës Und kein Mensch hat Ruhm davon, Johann Raps, des alten Rapsoës Sohn war ein mißrathner Sohn. Laßt mich tief betrübt erzählen Wie sich Raps verlegt auf′s Stehlen Und, wiewohl ihm das verhaßt, Ward im Schnapsrausch abgefaßt.

Eingestellt als Knecht des Hausuës, Schlank, was die Gestalt betrifft, Dient er treu bei Menke Mausuös, Bis ihn reizt das Fuselgift: Denn in dem Geschäft war dieses Während einer Handelskrises, Im Geschäftslokal des Herrn, Darum naschte Johann gern.

Also kam er viele Monate Mit dem Schnaps des Herrn zurecht, Da mit Bösem Gutes lohnete Raps der hinterlist′ge Knecht. Und noch eh das halbe Jahr um, Niemand ahnete, wie warum, War, o Schreck, im Fuderfaß Höchstens noch der Boden naß.

Wie Herr Menke Mauses merkete Den abscheulichen Verlurst, Da geschah′s, daß er sich ärgerte Ueber solches Diebes Durst; Ruft die Boten seines Dienstes Bringst es ‘raus, sagt Menke, bringst es Raus, wo nicht, so bringst es nicht - Johann, halt′ einmal das Licht!

Johann, o Du dummer Teufuêl, Bring′ die Flamme nicht vor′s Maul, Johann, Du bist′s ohne Zweifuêl, Denn der Fusel ist nicht faul, Schau, er schlägt Dir aus dem Rachen Lichterloh, es ist zum Lachen, Nein, es ist zum Lachen nicht - Mensch, o halte nie das Licht!

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Illustration zu Der Schnapsrausch

Interpretation

Das Gedicht "Der Schnapsrausch" von Ludwig Eichrodt erzählt die tragische Geschichte des Knechts Johann Raps, der aufgrund seiner Schnapsabhängigkeit in die Kriminalität abrutscht. Johann, der Sohn des alten Schnapsbrenners Raps, beginnt im Dienst bei Menke Mauses, dem Besitzer eines Schnapsgeschäfts, zu stehlen. Die Versuchung ist groß, da er ständig Zugang zum Fuselgift hat und in einer Handelskrise das Geschäftslokal als Naschplatz nutzt. Im Laufe der Zeit entwendet Johann große Mengen des Schnapses seines Herrn, ohne dass jemand Verdacht schöpft. Erst als das Fuderfass fast leer ist, bemerkt Menke Mauses den Diebstahl und konfrontiert seinen Knecht. In einer dramatischen Szene lässt er Johann ein Licht vor den Mund halten, um seine Schuld zu beweisen. Die Flamme schlägt aus Johann's Mund, da der Fusel durch seinen Körper gedrungen ist und entzündlich geworden ist. Das Gedicht endet mit einer Warnung an Johann, nie wieder ein Licht vor den Mund zu halten, da die Konsequenzen fatal sein könnten. Es verdeutlicht die zerstörerische Wirkung der Alkoholsucht und wie sie Menschen in die Illegalität treiben kann. Die tragische Ironie liegt darin, dass Johann, der Sohn eines Schnapsbrenners, selbst zum Opfer des Fuselgifts wird und am Ende in einer brenzligen Situation landet.

Schlüsselwörter

johann raps menke bringst mensch sohn knecht herrn

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Stilmittel

Alliteration
Schnapsrausch
Anapher
Johann, o Du dummer Teufuêl, Bring′ die Flamme nicht vor′s Maul, Johann, Du bist′s ohne Zweifuêl
Binnenreim
Fuselgift
Kontrast
Wie sich Raps verlegt auf′s Stehlen
Metapher
Fuselgift
Personifikation
Denn der Fusel ist nicht faul
Reimschema
AABBA