Der Schäfer und der Reiter

Friedrich de la Motte Fouqué

1816

Ein Schäfer sah im Grünen, Sein Liebchen saß im Arm, Durch Buchenwipfel schienen Der Sonne Strahlen warm. Sie kosten froh und heiter Den Glücklichen vorbei. ”Sitz ab und suche Kohle”, Rief ihm der Schäfer zu. ”Des Mittags nahe Schwüle Gebietet stille Ruh′. Noch lacht im Morgenglanze So Strauch als Blume hier, Und Liebchen pflückt zum Kranze Die schönsten Blumen dir.” Da sprach der finstre Reiter: ”Nie hält mich Wald und Flur; Mich treibt mein Schicksal weiter, Und ach, mein erster Schwur. Ich gab mein junges Leben Dahin um schönen Sold, Glück kann ich nicht erstreben Nur höchstens Ruhm und Gold. Drum schnell, mein Roß und trabe Vorbei wo Blumen blüh′n, Einst lohnt wohl Ruh im Grabe Des Kämpfenden Bemühn.”

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Illustration zu Der Schäfer und der Reiter

Interpretation

Das Gedicht "Der Schäfer und der Reiter" von Friedrich de la Motte Fouqué handelt von einem Treffen zwischen einem Schäfer und einem Reiter, das unterschiedliche Lebensauffassungen und -ziele offenbart. Der Schäfer genießt die idyllische Natur und die Liebe zu seiner Liebsten, während der Reiter von einem unerbittlichen Schicksal getrieben wird. Der Schäfer lädt den Reiter ein, sein Pferd abzusitzen und sich an der Kohle zu erfreuen, die die Sonne durch die Buchenwipfel schickt. Er betont die Schönheit der Natur und die Liebe zu seiner Liebsten, die ihm einen Kranz aus den schönsten Blumen flechten wird. Der Schäfer steht für ein einfaches, glückliches Leben in Harmonie mit der Natur und der Liebe. Im Gegensatz dazu lehnt der finstere Reiter die Einladung des Schäfers ab. Er wird von einem Schicksal getrieben, das ihn nicht stillstehen lässt. Der Reiter hat sein junges Leben dem Kampf und dem Streben nach Ruhm und Gold gewidmet. Er hat auf Glück verzichtet und sieht seinen einzigen Lohn in der Ruhe im Grabe. Der Reiter symbolisiert den unerbittlichen Kampf ums Überleben und den Verzicht auf persönliches Glück zugunsten äußerer Anerkennung. Das Gedicht kontrastiert die beiden Lebensentwürfe und lässt den Leser über die Vor- und Nachteile beider Wege nachdenken. Es wirft Fragen nach der Bedeutung von Glück, Liebe und Erfolg auf und regt zum Nachdenken über die eigenen Lebensziele an.

Schlüsselwörter

schäfer liebchen vorbei ruh blumen sah grünen saß

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Sitz ab und suche Kohle
Kontrast
Glück kann ich nicht erstreben / Nur höchstens Ruhm und Gold
Metapher
Ein Schäfer sah im Grünen
Personifikation
Der Sonne Strahlen warm
Symbolik
Einst lohnt wohl Ruh im Grabe / Des Kämpfenden Bemühn
Vergleich
So Strauch als Blume hier