Der satanistische Poet
1866Ach du armer Satanist, Bang gezwungen, zu verrenken All dein Reden, Dichten, Denken, Weil du sonst “erledigt′′ bist:
Nicht dir selbst gehörst du mehr, Rastlos mußt du dich verwandeln, Um ein Bravo einzuhandeln, Was doch so verteufelt schwer!
Armes, armes Elend-Häufel! Meintest in Verwegenheiten Uns den Teufel vorzureiten - Und nun reitet dich der Teufel.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der satanistische Poet" von Hanns von Gumppenberg thematisiert die Zwangslage eines Dichters, der sich dem Zeitgeist beugen muss, um nicht als "erledigt" zu gelten. Der Poet ist gezwungen, sein Reden, Dichten und Denken zu verrenken, um Anerkennung zu finden. Er ist nicht mehr Herr seiner selbst, sondern muss sich rastlos verwandeln, um ein "Bravo" einzuhandeln, was jedoch äußerst schwierig ist. Der Poet hatte sich in Verwegenheiten versucht und dabei den Teufel vorreiten lassen, um das Publikum zu schockieren und Aufmerksamkeit zu erregen. Doch nun hat sich das Blatt gewendet: Der Teufel reitet den Dichter selbst, er ist zum Sklaven seiner eigenen Provokationen geworden. Er ist ein "armes, armes Elend-Häufel", der nicht mehr Herr seines Schicksals ist. Das Gedicht kritisiert die Abhängigkeit des Künstlers vom Publikum und den Zeitgeist. Der Poet opfert seine Authentizität und Individualität, um Anerkennung zu finden. Doch am Ende wird er selbst zum Opfer seiner Strategie, vom Teufel der Anpassung und des Kommerzes geritten. Das Gedicht zeichnet ein pessimistisches Bild vom Schicksal des Künstlers in einer Gesellschaft, die Konformität belohnt und Widerspenstigkeit bestraft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Armes, armes Elend-Häufel!
- Chiasmus
- Meintest in Verwegenheiten Uns den Teufel vorzureiten - Und nun reitet dich der Teufel.
- Hyperbel
- Was doch so verteufelt schwer!
- Ironie
- Um ein Bravo einzuhandeln
- Metapher
- Und nun reitet dich der Teufel
- Personifikation
- Weil du sonst 'erledigt' bist
- Reimschema
- AABB
- Tropus
- Rastlos mußt du dich verwandeln