Der Säemann säet den Samen

Matthias Claudius

1771

Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn, Und über ein kleines Keimet die Blume herauf.

Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, War klein Dir geachtet, Und sie entschlummerte Dir!

Was weinest Du neben dem Grabe Und hebst die Hände Zur Wolke des Todes Und der Verwesung empor?

Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, wie Blätter! Nur wenige Tage Gehn wir verkleidet einher!

Der Adler besuchet die Erde, Doch säumt nicht, Schüttelt vom Flügel den Staub, Und Kehret zur Sonne zurück!

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Interpretation

Das Gedicht "Der Säemann säet den Samen" von Matthias Claudius erzählt von der Vergänglichkeit des Lebens und der Schönheit, die in diesem kurzen Dasein gefunden werden kann. Es beginnt mit dem Bild des Sämanns, der Samen sät, und der Erde, die sie empfängt. Die Blume, die daraus keimt, wird als etwas Liebevolles beschrieben, das dem Sprecher wichtig war, aber nun entschlummert ist. Das Gedicht geht dann über zu einer Reflexion über die Kürze des menschlichen Lebens. Der Sprecher fragt, warum man am Grab weint und die Hände zum Himmel erhebt, wenn das Leben so vergänglich ist wie Gras auf dem Feld oder Blätter im Herbst. Nur wenige Tage verbringen wir in dieser Welt, bevor wir weiterziehen. Der letzte Vers vergleicht den Menschen mit einem Adler, der zur Erde kommt, aber nicht verweilt. Der Adler schüttelt den Staub von seinen Flügeln und kehrt zur Sonne zurück. Dieses Bild deutet darauf hin, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern ein Übergang zu etwas Größerem und Ewigen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Der Säemann säet den Samen
Hyperbel
Und Kehret zur Sonne zurück!
Metapher
Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn
Personifikation
Die Erd empfängt ihn
Vergleich
Wie Gras auf dem Felde sind Menschen