Der Sack und die Mäuse

Wilhelm Busch

1881

Ein dicker Sack voll Weizen stand Auf einem Speicher an der Wand. - Da kam das schlaue Volk der Mäuse Und pfiff ihn an in dieser Weise: “Oh, du da in der Ecke, Großmächtigster der Säcke! Du bist ja der Gescheitste, Der dickste und der Breitste! Respekt und Referenz Vor eurer Exzellenz!” Mit innigem Behagen hört Der Sack, daß man ihn so verehrt. Ein Mäuslein hat ihm unterdessen Ganz unbemerkt ein Loch gefressen. Es rinnt das Korn in leisem Lauf. Die Mäuse knuspern′s emsig auf. Schon wird er faltig, krumm und matt. Die Mäuse werden fett und glatt. Zuletzt, man kennt ihn kaum noch mehr, Ist er kaputt und hohl und leer. Erst ziehn sie ihn von seinem Thron; Ein jedes Mäuslein spricht ihm hohn; Und jedes, wie es geht, so spricht′s: “Empfehle mich, Herr Habenichts!”

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Illustration zu Der Sack und die Mäuse

Interpretation

Das Gedicht "Der Sack und die Mäuse" von Wilhelm Busch erzählt die Geschichte eines vollen Getreidesacks, der von Mäusen umworben und letztlich ausgebeutet wird. Die Mäuse schmeicheln dem Sack mit überzogener Höflichkeit und Ehrfurcht, um sein Vertrauen zu gewinnen. Sie loben ihn als den größten, dicksten und klügsten Sack und zollen ihm Respekt und Referenz. Der Sack freut sich über die Aufmerksamkeit und beachtet nicht, dass ein Mäuslein ein Loch in ihn frisst. Während der Sack durch die Schmeicheleien der Mäuse in einen Zustand der Selbstzufriedenheit und Selbstüberschätzung verfällt, nutzen die Mäuse die Gelegenheit, um das Korn aus dem Sack zu stehlen. Das Korn rinnt in einem leisen Lauf aus dem Loch, und die Mäuse knuspern es emsig auf. Der Sack wird immer dünner, faltiger und schwächer, während die Mäuse fett und glatt werden. Der Sack merkt nicht, dass er ausgebeutet wird und dass sein Inhalt schwindet. Am Ende ist der Sack kaputt, hohl und leer. Die Mäuse ziehen ihn von seinem "Thron" herunter und verhöhnen ihn. Jedes Mäuslein verabschiedet sich von ihm mit den Worten: "Empfehle mich, Herr Habenichts!" Dies zeigt, dass die Mäuse den Sack nur ausgenutzt haben und nun kein Interesse mehr an ihm haben, da er nichts mehr zu bieten hat. Das Gedicht kritisiert die menschliche Neigung, sich von Schmeicheleien blenden zu lassen und dabei die eigene Ausbeutung zu übersehen.

Schlüsselwörter

mäuse sack mäuslein jedes spricht dicker voll weizen

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Stilmittel

Alliteration
Der Ausdruck 'faltig, krumm und matt' verwendet Alliteration mit dem 'f'-Laut.
Bildsprache
Die Beschreibung des Sacks, der 'faltig, krumm und matt' wird und schließlich 'kaputt und hohl und leer' ist, erzeugt eine lebendige Vorstellung.
Ironie
Die Mäuse loben den Sack, um ihn zu täuschen, während sie ihn heimlich zerstören.
Metapher
Der Sack wird als 'Großmächtigster der Säcke' und 'Herr Habenichts' bezeichnet, was seine Bedeutung und seinen Zustand symbolisiert.
Personifikation
Die Mäuse sprechen den Sack an, als wäre er ein lebendiges Wesen, das 'Respekt und Referenz' verdient.
Reimschema
Das Gedicht folgt einem regelmäßigen Reimschema, das den rhythmischen Fluss unterstützt.
Spöttischer Ton
Die Mäuse sprechen den Sack mit übertriebener Höflichkeit an, um ihn dann zu verspotten, als er leer ist.
Symbolik
Der Sack symbolisiert Reichtum oder Macht, während die Mäuse Gier und Ausbeutung repräsentieren.