Der Rosenstrauch und der Eichbaum
unknownSchien′ ich dir nicht verächtlich, Ich würde dich bewundern, Dem Himmel naher Eichbaum! Trotz deines Hochmuths bleibe Ich gegen dich noch billig. Es ist ein schöner Anblick: Den Wolkenzug, der prachtvoll Den Himmelsraum durchwallet, Wenn deiner Riesenscheitel Er naht, aus Ehrfurcht oder Weil seinen Lauf du zögerst, Auf einmal sachter wandeln Zu sehn; es ist ein schöner, Bewundernswerther Anblick: Dich mit dem Sturm, dem Sohne Der Lust, des Donners Bruder, In lautem, fürchterlichem, Hartnäck′gem Kampf zu sehen; Der Sturm, der sieggewohnte, Weicht nicht; es weichest aber Auch du nicht, breitest mächtig Und trotzig deine weiten, Der Furcht unkund′gen Arme Dem Wüthenden entgegen, Und stemmest stets von neuem Ihm die zurückgedrängte Zornvolle Stirn entgegen, Der niedrigeren Bäume, Der furchtsamen Gebüsche, Die rings um dich her beben, Gewaltiger Beschützer! Das bist du; warum aber Vergißt du, oder willst du Nicht wissen, daß die Menschen Mit liebender Bewundrung Beim Rosenstrauch verweilen, Deß liebliches Gedüft sie Von weitem schon erreichet? In ihren Liedern singen Sie oft vom Untergange Des einen und des andern, »Schön ist′s, doch auch gefährlich, Sein Haupt bis in die Wolken Furchtbares Reich zu heben!« So singen sie. »O Rose, Warum ist dir, o Holde, Ein so beschränktes Dasein Auf unsrer Flur verliehen?«
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Interpretation
Das Gedicht "Der Rosenstrauch und der Eichbaum" von Elisabeth Kulmann kontrastiert die majestätische Stärke des Eichbaums mit der bescheidenen Schönheit des Rosenstrauchs. Der Eichbaum wird als mächtiges, unerschütterliches Wesen dargestellt, das den Stürmen trotzt und den Wolken nahe ist. Doch der Sprecher deutet an, dass der Eichbaum trotz seiner Größe und Kraft in den Augen der Menschen weniger geschätzt wird als der Rosenstrauch. Der Rosenstrauch, obwohl klein und vergänglich, wird für seinen Duft und seine Schönheit bewundert. Die Menschen verweilen bei ihm und singen in ihren Liedern von seiner vergänglichen, aber kostbaren Existenz. Der Sprecher impliziert, dass die Menschen die bescheidene Anmut des Rosenstrauchs höher schätzen als die überwältigende Präsenz des Eichbaums. Das Gedicht reflektiert über die menschliche Natur und die Wertschätzung von Schönheit und Bescheidenheit gegenüber bloßer Stärke und Größe. Es stellt die Frage, warum der Rosenstrauch, obwohl vergänglich, so sehr geliebt wird, während der mächtige Eichbaum, der den Elementen trotzt, weniger Beachtung findet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Deiner Riesenscheitel
- Kontrast
- Vergißt du, oder willst du Nicht wissen, daß die Menschen Mit liebender Bewundrung Beim Rosenstrauch verweilen
- Metapher
- Sein Haupt bis in die Wolken Furchtbares Reich zu heben
- Personifikation
- Der furchtsamen Gebüsche