Der Rosenkranz

Johann Heinrich Voß

1751

An des Beetes Umbuschung brach sie Rosen zum Kranz, feurig prangte die Mischung rings im tauigen Glanz. Ros’ auf Ros’ in das Körbchen sank, purpurrot und wie Silber blank.

Zwar den Grazien heilig, sang sie, blühet ihr dort, warum aber so eilig abgeblüht und verdorrt. Die so eben geöffnet stehn, werden bald in dem Winde wehn.

Du rotstreifiges Knöpfchen zitternd schaust du dein Grab, und ein perlendes Tröpfchen hängt als Träne herab. Bleib, du sollst in dem Sonnenschein dich des flüchtigen Lebens freun.

Mit tiefsinniger Säumniß flocht das Mädchen den Kranz, in der Laube Geheimnis Lieb’ und Zärtlichkeit ganz. Als auf’s Haupt sie das Kränzchen nahm, wohl mir Seligen, wohl mir, daß ich kam.

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Illustration zu Der Rosenkranz

Interpretation

Das Gedicht "Der Rosenkranz" von Johann Heinrich Voss handelt von einem Mädchen, das Rosen pflückt, um einen Kranz zu flechten. Die Rosenpracht im Beet wird in den ersten Strophen lebhaft beschrieben. Das Mädchen sinniert über die Vergänglichkeit der Rosenblüten, die so schnell welken und vergehen. Es tröstet ein noch nicht aufgeblühtes Knöpfchen, dass es sich im Sonnenschein des kurzen Lebens freuen soll. In den letzten Strophen wird deutlich, dass das Mädchen den Kranz nicht nur als Schmuck geflochten hat, sondern als Liebesbeweis. In der Abgeschiedenheit einer Laube hat sie den Kranz mit tiefsinniger Sorgfalt geflochten, erfüllt von Liebe und Zärtlichkeit. Als sie sich den Kranz aufs Haupt setzt, scheint sie sich ihrer glücklichen Lage bewusst zu werden. Der Sprecher, vermutlich ein Verehrer, freut sich, dass er zur rechten Zeit kam, um dieses Liebesgeständnis mitzuerleben. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Stimmung von Vergänglichkeit und Liebesglück. Die Rosenblüten sind ein Symbol für die Flüchtigkeit des Lebens, aber auch für die Schönheit und Intensität eines kurzen Augenblicks. Das Mädchen nutzt die Rosen, um ihre Liebe auszudrücken, und der Sprecher ist berührt von diesem aufrichtigen Gefühl.

Schlüsselwörter

kranz ros beetes umbuschung brach rosen feurig prangte

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Stilmittel

Alliteration
ros’ auf Ros’ in das Körbchen sank
Bildsprache
purpurrot und wie Silber blank
Hyperbel
Du rotstreifiges Knöpfchen zitternd schaust du dein Grab
Metapher
An des Beetes Umbuschung brach sie Rosen zum Kranz
Personifikation
Zwar den Grazien heilig, sang sie, blühet ihr dort
Symbolik
Mit tiefsinniger Säumniß flocht das Mädchen den Kranz