Der Revoluzzer

Erich Kurt Mühsam

1907

War einmal ein Revoluzzer, im Zivilstand Lampenputzer; ging im Revoluzzerschritt mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: “Ich revolüzze!” Und die Revoluzzermütze schob er auf das linke Ohr, kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten mitten in der Strassen Mitten, wo er sonsten unverdrutzt alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen rupfte man die Gaslaternen aus dem Strassenpflaster aus, zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer schrie: “Ich bin der Lampenputzer dieses guten Leuchtelichts. Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn′ das Licht ausdrehen, kann kein Bürger nichts mehr sehen. Lasst die Lampen stehn, ich bitt! - Denn sonst spiel ich nicht mehr mit.”

Doch die Revoluzzer lachten, und die Gaslaternen krachten, und der Lampenputzer schlich fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben und hat dort ein Buch geschrieben: nämlich, wie man revoluzzt und dabei doch Lampen putzt.

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Illustration zu Der Revoluzzer

Interpretation

Das Gedicht "Der Revoluzzer" von Erich Kurt Mühsam handelt von einem Lampenputzer, der sich den Revolutionären anschließt, um selbst gefährlich und rebellisch zu wirken. Er trägt eine Mütze und geht im Revoluzzerschritt mit den anderen mit, doch als die Revolutionäre die Gaslaternen ausreißen, um Barrikaden zu bauen, schreit er auf und bittet sie, die Lampen stehen zu lassen, da er sonst nicht mehr mitspielen will. Die Revolutionäre lachen ihn aus und reißen die Laternen trotzdem aus, woraufhin der Lampenputzer traurig nach Hause geht und ein Buch darüber schreibt, wie man revoluzzt und dabei doch Lampen putzt. Das Gedicht karikiert den Dilettantismus und die Halbherzigkeit des Lampenputzers, der sich den Revolutionären anschließt, ohne deren Ziele und Methoden wirklich zu verstehen oder zu unterstützen. Er will nur gefährlich und rebellisch wirken, aber wenn es ernst wird, will er nicht mitmachen. Das Gedicht zeigt auch die Brutalität und den Zynismus der Revolutionäre, die über den Lampenputzer lachen und seine Bitten ignorieren. Das Ende des Gedichts, in dem der Lampenputzer ein Buch über Revolution schreibt, ohne sie wirklich zu verstehen, unterstreicht die Ironie und die Kritik an der Oberflächlichkeit und dem Selbstbetrug des Protagonisten.

Schlüsselwörter

revoluzzer lampenputzer gaslaternen schrie mitten putzt bitte mehr

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Gaslaternen krachten
Anapher
Und er schrie: "Ich revolüzze!"
Hyperbel
kam sich höchst gefährlich vor
Ironie
Bitte, bitte, tut ihm nichts!
Kontrast
wie man revoluzzt und dabei doch Lampen putzt
Metapher
Revoluzzerschritt
Personifikation
wo er sonsten unverdrutzt alle Gaslaternen putzt
Wiederholung
revoluzzer