Der reichste Fürst

Justinus Kerner

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Preisend mit viel schönen Reden Ihrer Länder Wert und Zahl, Saßen viele deutsche Fürsten Einst zu Worms im Kaisersaal.

“Herrlich”, sprach der Fürst von Sachsen, “Ist mein Land und seine Macht, Silber hegen seine Berge Wohl in manchem tiefen Schacht.”

“Seht mein Land in üpp’ger Fülle”, Sprach der Kurfürst von dem Rhein, “Goldne Saaten in den Tälern, Auf den Bergen edlen Wein!”

“Große Städte, reiche Klöster!” Ludwig, Herr zu Bayern, sprach, “Schaffen, dass mein Land dem euren Wohl nicht steht an Schätzen nach.”

Eberhard, der mit dem Barte, Württembergs geliebter Herr, Sprach: “Mein Land hat kleine Städte, Trägt nicht Berge silberschwer;

Doch ein Kleinod hält’s verborgen: Dass in Wäldern, noch so groß, Ich mein Haupt kann kühnlich legen Jedem Untertan in Schoß.”

Und es rief der Herr von Sachsen, Der von Bayern, der vom Rhein: “Graf im Bart! Ihr seid der reichste, Euer Land trägt Edelstein!”

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Illustration zu Der reichste Fürst

Interpretation

Das Gedicht "Der reichste Fürst" von Justinus Kerner handelt von einem Treffen deutscher Fürsten im Kaisersaal zu Worms. Jeder Fürst preist die Vorzüge seines Landes und versucht, seine Reichtümer und Ressourcen zu übertreffen. Der Fürst von Sachsen rühmt seine Silbervorkommen, der Kurfürst vom Rhein seine fruchtbaren Täler und den edlen Wein, und Ludwig, Herr zu Bayern, prahlt mit seinen großen Städten und reichen Klöstern. Eberhard, der Herzog von Württemberg, hingegen hält dagegen und betont, dass sein Land zwar keine großen Städte und keine Silberberge besitzt, aber einen unschätzbaren Schatz birgt: die Freiheit und das Vertrauen seiner Untertanen. Er kann sein Haupt in den Schoß jedes Untertanen legen, was auf eine enge Verbundenheit und Gleichheit zwischen Herrscher und Volk hinweist. Diese Aussage beeindruckt die anderen Fürsten so sehr, dass sie Eberhard als den reichsten Fürsten bezeichnen, da sein Land einen unschätzbaren Edelstein birgt. Das Gedicht verdeutlicht die Bedeutung von inneren Werten und zwischenmenschlichen Beziehungen im Gegensatz zu materiellem Reichtum. Eberhard versteht, dass wahrer Reichtum nicht in Silber, Gold oder prächtigen Städten liegt, sondern in der Freiheit und dem Vertrauen seiner Untertanen. Kerner betont die Bedeutung von sozialer Verantwortung und gegenseitigem Respekt zwischen Herrscher und Volk, was zu einer harmonischen und wohlhabenden Gesellschaft führt.

Schlüsselwörter

land sprach herr sachsen berge rhein städte bayern

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Stilmittel

Anapher
Preisend mit viel schönen Reden / Ihrer Länder Wert und Zahl
Hyperbel
Goldne Saaten in den Tälern, / Auf den Bergen edlen Wein
Kontrast
Mein Land hat kleine Städte, / Trägt nicht Berge silberschwer
Metapher
Dass in Wäldern, noch so groß, / Ich mein Haupt kann kühnlich legen / Jedem Untertan in Schoß
Personifikation
Trägt nicht Berge silberschwer
Vergleich
Euer Land trägt Edelstein