Der rasende Psalm

Gerrit Engelke

1921

Gott! Zeus! – Christ! Pan! Gott! Baal! – Zeus! Pan! Inder-Somar! Wolken-Donar! Großer Lama! Schöpfer-Brahma! Aller Götterhirne Schädelhaus! Alles Götteratems Luftgebraus!

All-Hirn! Kraft-Stirn! Zorn-Arm! Welt-Darm! Lebenslunge! Kosmoszunge!

Alles Sommerblühens Baum, Alles Narren-Denkens Schwinge, Aller Tatenfäuste Daum, Fleisch und Seele aller Dinge: Anfangsall-Gebärer: Ewig-Forternährer:

Wirf herab die Böllerpauke! Wirf herab die Weltenpauke!

Aller Städtemenschen Herdenstrom Will ich schlagen laut und barsch, In Fabrik- wie Kirch- und Wolkendom, Generalgewaltenmarsch!

Alle Laster, Leidenschaften, Alles Werdens Mutterschaften, Dirnenliebe, vielgeschmähte, Alle Telegraphendrähte, Alles Krankenhaus-Gestöhn, Aller Hammer Schlag-Gedröhn, Alle krummen Straßenstränge, Allen Wirtshaus-Lärm, Militärkapellen-Klänge, Alles Mensch-Gedärm Will ich auf die Pauke spannen, Daraus Groß-Gesänge bannen! Trotzig meine Pauke tragen: Und mit harten Knöcheln schlagen! Daß sie jedes Ding mit Ehrfurcht nennen, Deinen Körper überall erkennen!

Deines Gipfel-Kopfes Wolkenschaum-Gelock, Deines Mundes-Topfes Städtequalm-Geflock, Deiner Brüste-Pamir-Platte, Deines Bauches Straßen-Därme, Deines Leibes Krater-Wärme, Deiner Füße Länder-Matte, Deiner großen Zornes-Pforte Schwarz-Gewitterwolken-Graus, Deiner tiefen Kosmos-Worte Neunte-Symphonie-Gebraus. Eifersvoll beschlag ich gell Deiner Pauke Paukenfell: Daß man hört durch mich! Alles-Gottheit Dich!

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Illustration zu Der rasende Psalm

Interpretation

Das Gedicht "Der rasende Psalm" von Gerrit Engelke ist ein ekstatisches Loblied auf die Gottheit, das verschiedene religiöse und mythologische Figuren vereint. Engelke ruft Gott, Zeus, Christus, Pan, Baal, Donar und andere Gottheiten an und verleiht ihnen menschliche Eigenschaften wie Hirn, Arm, Lunge und Zunge. Er preist die Gottheit als Schöpfer und Ernährer aller Dinge. Engelke verwendet das Bild der Pauke als Metapher für die Welt und die menschliche Existenz. Er will die Pauke mit den Klängen der Stadt, der Fabriken, der Kirchen, der Liebe, des Leidens, der Krankheit, des Krieges und des menschlichen Lebens "bespannen". Durch seinen "trockenen Schlag" mit den "harten Knöcheln" will er die Menschen dazu bringen, die Gottheit in allem zu erkennen und mit Ehrfurcht zu betrachten. Das Gedicht endet mit einer leidenschaftlichen Beschreibung der Gottheit als kosmischer Kraft, deren Körper die Welt ist. Engelke beschwört die Gottheit, ihre Stimme durch ihn zu hören und sich selbst durch ihn zu erkennen. Der "rasende Psalm" ist ein Ausdruck der ekstatischen Vereinigung des Dichters mit der Gottheit und seiner Überzeugung, dass die Gottheit in allem existiert und durch alles spricht.

Schlüsselwörter

aller alle pauke gott zeus pan wirf herab

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Stilmittel

Anapher
Aller Städtemenschen Herdenstrom Will ich schlagen laut und barsch
Aufzählung
Alle Laster, Leidenschaften, Alles Werdens Mutterschaften, Dirnenliebe, vielgeschmähte, Alle Telegraphendrähte, Alles Krankenhaus-Gestöhn, Aller Hammer Schlag-Gedröhn, Alle krummen Straßenstränge, Allen Wirtshaus-Lärm, Militärkapellen-Klänge, Alles Mensch-Gedärm
Metapher
Alles-Gottheit Dich
Personifikation
Alles Sommerblühens Baum, Alles Narren-Denkens Schwinge, Aller Tatenfäuste Daum