Der Prager Musikant
1906Mit der Fiedel auf dem Rücken, Mit dem Kappel in der Hand, Ziehn wir Prager Musikanten Durch das weite Christenland.
Unser Schutzpatron im Himmel Heißt der heilge Nepomuk, Steht mit seinem Sternenkränzel Mitten auf der Prager Bruck.
Als ich da hinausgewandert, Hab ich Reverenz gemacht, Ein Gebet ihm aus dem Kopfe Recht bedächtig hergesagt.
Steht also in keinem Büchel, Wie man′s auf dem Herzen hat: Wanderschaft mit leerem Beutel, Und ein Schätzel in der Stadt.
Wenn das Mädel singen könnte, Wär′s gezogen mit hinaus, Doch es hat ′ne heisre Kehle, Darum ließ ich es zu Haus.
Ei, da gab es nasse Augen, ′s war mir selbst nicht einerlei: Sprach ich: »′s ist ja nicht für ewig, Schönstes Nannerl, laß mich frei!«
Und ich schlüpft aus ihren Armen, Aus der Kammer, aus dem Haus, Konnt nicht wieder rückwärts schauen, Bis ich war zur Stadt hinaus.
Da hab ich dies Lied gesungen, Hab die Fiedel zu gespielt, Bis ich in den Morgenlüften Auf der Brust mich leicht gefühlt.
Manches Vöglein hat′s vernommen: Flög nur eins an Liebchens Ohr, Säng ihr, wenn sie weinen wollte, Dieses frische Liedel vor!
Wenn ich aus der Fremde komme, Spiel ich auf aus anderm Ton. Abends unter ihrem Fenster: »Schätzel, Schätzel, schläfst du schon?«
Hoch geschwenkt den vollen Beutel, Das gibt eine Musika! ′s Fenster klirrt, es rauscht der Laden, Heilige Cäcilia!
All ihr Prager Musikanten, Auf, heraus mit Horn und Baß, Spielt den schönsten Hochzeitreigen! Morgen leeren wir ein Faß.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Prager Musikant" von Wilhelm Müller beschreibt die Reise eines Prager Musikanten, der mit seiner Geige auf dem Rücken und seinem Instrument in der Hand durch das Land zieht. Der Musikant bittet seinen Schutzpatron, den heiligen Nepomuk, um Schutz und segensreiche Reise. Trotz leeren Geldbeutels ist er voller Hoffnung und Optimismus, dass er in der Fremde Erfolg haben wird. Die Reise des Musikanten ist jedoch nicht nur von beruflichen Ambitionen geprägt, sondern auch von persönlichen Erlebnissen. Er verlässt seine Geliebte Nannerl mit schweren Herzen, verspricht aber, zurückzukehren. Die Sehnsucht nach seiner Liebsten begleitet ihn auf seiner Wanderschaft, und er singt ein Lied, das er ihr schicken möchte, um ihr Trost und Hoffnung zu spenden. Das Gedicht endet mit der Rückkehr des Musikanten, der nun voller Stolz und Erfolg in den Armen seiner Geliebten zurückkehrt. Mit vollem Geldbeutel und fröhlicher Musik feiert er seine Heimkehr und die bevorstehende Hochzeit mit Nannerl. Die Prager Musikanten spielen einen Hochzeitreigen, und die Freude über das Wiedersehen und den gemeinsamen Erfolg ist spürbar.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit der Fiedel auf dem Rücken, Mit dem Kappel in der Hand
- Anapher
- Mit der Fiedel auf dem Rücken, Mit dem Kappel in der Hand
- Metapher
- Mit seinem Sternenkränzel
- Personifikation
- Manches Vöglein hat's vernommen
- Reimschema
- AABB
- Symbolik
- Heilige Cäcilia
- Wiederholung
- Schätzel, Schätzel, schläfst du schon?