Der Pilgrim
1805Noch in meines Lebens Lenze War ich, und ich wandert′ aus, Und der Jugend frohe Tänze Ließ ich in des Vaters Haus.
All mein Erbteil, meine Habe Warf ich fröhlich glaubend hin, Und am leichten Pilgerstabe Zog ich fort mit Kindersinn.
Denn mich trieb ein mächtig Hoffen Und ein dunkles Glaubenswort, Wandle, rief′s, der Weg ist offen, Immer nach dem Aufgang fort,
Bis zu einer goldnen Pforten Du gelangst, da gehst du ein, Denn das Irdische wird dorten Himmlisch, unvergänglich sein.
Abend ward′s und wurde Morgen, Nimmer, nimmer stand ich still; Aber immer blieb′s verborgen, Was ich suche, was ich will.
Berge lagen mir im Wege, Ströme hemmten meinen Fuß. Über Schlünde baut′ ich Stege, Brücken durch den wilden Fluss.
Und zu eines Stroms Gestaden Kam ich, der nach Morgen floss; Froh vertrauend seinem Faden, Warf ich mich in seinen Schoß.
Hin zu einem großen Meere Trieb mich seiner Wellen Spiel; Vor mir liegt′s in weiter Leere, Näher bin ich nicht dem Ziel.
Ach, kein Steg will dahin führen, Ach, der Himmel über mir Will die Erde nie berühren, Und das Dort ist niemals Hier!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Pilgrim" von Friedrich von Schiller handelt von der Reise eines Pilgers auf der Suche nach einem höheren Ziel. Der Pilger verlässt sein Zuhause in seiner Jugend, um auf eine spirituelle Reise zu gehen. Er glaubt an ein mächtiges Hoffen und ein dunkles Glaubenswort, das ihn dazu treibt, immer nach dem Aufgang zu streben. Sein Ziel ist eine goldene Pforte, hinter der das Irdische himmlisch und unvergänglich sein soll. Der Pilger durchquert Berge und Flüsse, überwindet Hindernisse und baut Stege und Brücken, um weiterzukommen. Er kommt an einen Strom, der nach Morgen fließt, und wirft sich vertrauensvoll in seinen Schoß. Doch am Ende seiner Reise findet er sich an einem großen Meer wieder, das sich in weiter Leere vor ihm erstreckt. Er ist seinem Ziel nicht näher gekommen und erkennt, dass es keine Brücke oder Verbindung zwischen Himmel und Erde gibt. Das Gedicht beschreibt die spirituelle Reise des Pilgers als einen Prozess des Suchens und Strebens nach einem höheren Ziel. Es zeigt, dass der Weg dorthin voller Hindernisse und Herausforderungen ist und dass das Ziel oft unerreichbar bleibt. Das Gedicht vermittelt eine gewisse Resignation und Enttäuschung, da der Pilger am Ende seiner Reise nicht das gefunden hat, wonach er gesucht hat. Es stellt die Frage nach der Bedeutung und dem Zweck des Lebens und der Suche nach spiritueller Erfüllung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Vor mir liegt′s in weiter Leere, / Näher bin ich nicht dem Ziel.
- Personifikation
- Und das Dort ist niemals Hier!