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Der Page

Von

Da ich nun entsagen müssen
Allen, was mein Herz erbeten,
Laß mich diese Stelle küssen,
Die dein schöner Fuß betreten.

Darf ich auch als Ritter nimmer
Dir beglückt zur Seite schreiten,
Laß mich doch als Pagen immer
In die Messe dich begleiten.

Will ja treu sein und verschwiegen,
Tags dem kleinsten Winke lauschen,
Nachts auf deiner Schwelle liegen,
Mag auch Sturm und Hagel rauschen.

Will dir stets mit sitt′gem Grüßen
Morgens frische Rosen bringen,
Will des Abends, dir zu Füßen,
Lieder zur Giarre singen.

Will den weißen Renner zäumen,
Wenn′s dich lüstet, frisch zu jagen,
Will dir in des Waldes Räumen
Dienend Speer und Falken ragen;

Will auf deinen Liebeswegen
Selbst den Fackelträger machen,
Und am Tor mit blankem Degen,
Wenn du andre küsset, wachen.

Und das alles ohne Klage,
Ohne Flehn, nicht laut noch leise,
Wenn mir nach vollbrachtem Tage
Nur ein Lächeln wird zum Preise,

Wenn gleich einem Segensterne,
Der mein ganzes Wesen lenket,
Nur dein Aug aus weiter Ferne
Einen einz′gen Strahl mir schenket.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Der Page von Emanuel Geibel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Page“ von Emanuel Geibel ist eine romantische Liebeserklärung, die von einem Mann spricht, der die Liebe zu einer unerreichbaren Frau, die in der Gedichtinterpretation durch die Zeilen „die dein schöner Fuß betreten“ als hohe Dame verstanden werden kann, auf bescheidene Weise auszudrücken versucht. Er ist bereit, alle seine eigenen Wünsche aufzugeben und sich in die Rolle eines Pagen zu begeben, um in der Nähe der geliebten Person sein zu können. Die Struktur des Gedichts, das aus acht Strophen zu je vier Versen besteht, verstärkt die feierliche und hingebungsvolle Natur der Gefühle des Sprechers.

Der Sprecher sehnt sich nach der Nähe der Frau, selbst wenn er sie nicht als Ritter erobern kann. Er bietet an, ihr im Alltag zu dienen, ihre Wünsche zu erfüllen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Dies drückt sich in seinen Versen aus, in denen er verspricht, ihr morgens Rosen zu bringen, ihr abends Lieder vorzusingen, ihr Pferd zu zäumen und sie bei der Jagd zu begleiten. Er ist sogar bereit, als Fackelträger auf ihren Liebeswegen zu dienen und am Tor zu wachen, selbst wenn sie andere küsst. Diese Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen und im Dienst der geliebten Frau zu stehen, offenbart die Tiefe seiner Verehrung.

Die zentrale Botschaft des Gedichts liegt in der Selbstaufopferung und der bedingungslosen Liebe des Pagen. Er erwartet keine Gegenleistung, sondern erhofft sich lediglich ein Lächeln oder einen einzigen Strahl aus ihren Augen als Belohnung für seine Dienste. Dies zeigt eine tiefe Demut und eine Bereitschaft, sein eigenes Glück dem der geliebten Person unterzuordnen. Die letzten beiden Strophen unterstreichen diesen Aspekt besonders, indem sie die Sehnsucht nach einem Zeichen der Anerkennung und die absolute Hingabe an die Frau hervorheben.

Geibels Sprache ist reich an Bildern und Metaphern, die die Romantik und die Ergebenheit des Pagen verstärken. Die Erwähnung von Rosen, Liedern, dem weißen Renner, der Jagd und dem nächtlichen Wachen am Tor erzeugt eine atmosphärische Szenerie, die von Liebe, Sehnsucht und einem Hauch von Melancholie geprägt ist. Der Kontrast zwischen der unaufdringlichen, dienenden Rolle des Pagen und der erhabenen Position der geliebten Frau erzeugt eine Spannung, die die emotionale Tiefe des Gedichts unterstreicht und es zu einem eindringlichen Ausdruck romantischer Verehrung macht. Das Gedicht zeugt von einem Ideal der Liebe, das auf Respekt, Hingabe und der Bereitschaft basiert, alles für die geliebte Person zu geben, auch wenn keine eigene Erfüllung in Aussicht steht.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.