Der Nußbaum

Julius Mosen

1803

Es grünet ein Nußbaum vor dem Haus, Duftig, luftig breitet er blättrig die Blätter aus. Viel liebliche Blüten stehen dran; Linde Winde kommen, sie herzlich zu umfahn. Es flüstern je zwei zu zwei gepaart, Neigend, beugend zierlich zum Kusse die Häuptchen zart. Sie flüstern von einem Mägdlein, Das dächte die Nächte und Tage lang, Wußte, ach! selber nicht was. Sie flüstern - wer mag verstehn so gar leise Weis? Flüstern von Bräut´gam und nächstem Jahr. Das Mägdlein horchet, es rauscht im Baum; Sehnend, wähnend sinkt es lächelnd in Schlaf und Traum.

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Illustration zu Der Nußbaum

Interpretation

Das Gedicht "Der Nußbaum" von Julius Mosen beschreibt einen Nussbaum vor einem Haus, der im Frühling mit seinen duftenden und luftigen Blättern und Blüten prächtig gedeiht. Der Baum wird von sanften Winden umweht, die die Blüten streicheln und zum Flüstern bringen. Die Blütenpaare neigen sich zart zueinander, als würden sie sich küssen, und flüstern von einem jungen Mädchen, das Tag und Nacht an etwas denkt, ohne genau zu wissen, was es ist. Die Natur scheint das Geheimnis des Mädchens zu kennen und flüstert von einem Bräutigam und dem nächsten Jahr. Das Mädchen hört aufmerksam den Flüstern des Baumes zu und fühlt sich von ihm angezogen. Der Baum rauscht und wiegt sich sanft im Wind, was das Mädchen in einen sehnsuchtsvollen und träumerischen Schlaf versinken lässt. Das Gedicht vermittelt eine romantische und verträumte Stimmung, in der sich die Natur und das menschliche Gefühl harmonisch verbinden. Der Nussbaum symbolisiert die Schönheit und den Zauber des Frühlings, während die Flüstern der Blüten die geheimen Wünsche und Hoffnungen des Mädchens ausdrücken. Die Sprache des Gedichts ist poetisch und voller sinnlicher Bilder, die die Leser in eine märchenhafte Welt entführen. Die Wiederholung von Wörtern wie "flüstern" und "Blüten" unterstreicht die sanfte und geheimnisvolle Atmosphäre des Gedichts. Die Verwendung von Personifikationen, wie die Blüten, die "zu zwei gepaart" flüstern und "zum Kusse die Häuptchen zart" neigen, verleiht dem Baum menschliche Züge und macht ihn zu einem lebendigen Wesen, das mit dem Mädchen kommuniziert. Insgesamt ist "Der Nußbaum" ein wunderschönes Gedicht, das die Schönheit der Natur und die Tiefe menschlicher Gefühle auf eine einzigartige und poetische Weise einfängt.

Schlüsselwörter

flüstern zwei mägdlein grünet nußbaum haus duftig luftig

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
duftig, luftig breitet er blättrig die Blätter aus
Personifikation
Sehnend, wähnend sinkt es lächelnd in Schlaf und Traum