Der Nil

Karoline von Günderode

1806

Aber ich stürze von Bergen hernieder, Wo mich der Regen des Himmels gekühlt, Tränke erbarmend die lechzenden Brüder Daß sich ihr brennendes Bette erfüllt.

Jauchzend begrüßen mich alle die Quellen; Kühlend umfange ich, Erde, auch dich; Leben erschwellt mir die Tropfen, die Wellen, Leben dir spendend umarme ich dich.

Theueres Land du! Gebährerin Erde! Nimm nun den Sohn auch den liebenden auf, Du, die in Klüften gebahr mich und nährte, Nimm jetzt, o Mutter! den Sehnenden auf.

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Illustration zu Der Nil

Interpretation

Das Gedicht "Der Nil" von Karoline von Günderode erzählt die Reise des Flusses vom Gebirge bis zum Meer. Es beginnt mit der kraftvollen Bewegung des Wassers, das von den Bergen herabstürzt, gekühlt vom Himmel und bereit, die dürstende Erde zu erfrischen. Die Quellen jubeln und begrüßen den Fluss, der mit seiner kühlenden Umarmung die Erde umschließt. Das Leben schwillt in den Tropfen und Wellen an, und der Fluss spendet der Erde Leben, indem er sie in seinen Armen hält. Die zweite Strophe wendet sich direkt an die Erde, die als teure Gebährerin und Mutter bezeichnet wird. Der Fluss bittet die Erde, ihn als ihren Sohn aufzunehmen, der sie liebt und sich nach ihr sehnt. Er erinnert daran, dass die Erde ihn in ihren Klüften geboren und genährt hat, und nun bittet er sie, den sehnenden Sohn wieder aufzunehmen. Das Gedicht endet mit einer starken emotionalen Bindung zwischen dem Fluss und der Erde, die als eine Art familiäre Beziehung dargestellt wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht die tiefe Verbundenheit und das gegenseitige Geben und Nehmen zwischen dem Fluss und der Erde. Es betont die lebensspendende Kraft des Wassers und die Rolle der Erde als nährende Mutter. Die Sprache ist poetisch und voller Emotionen, was die Intensität der Beziehung zwischen Fluss und Erde unterstreicht.

Schlüsselwörter

erde leben nimm stürze bergen hernieder regen himmels

Wortwolke

Wortwolke zu Der Nil

Stilmittel

Anapher
Leben erschwellt mir die Tropfen, die Wellen, Leben dir spendend umarme ich dich
Apostrophe
Nimm jetzt, o Mutter! den Sehnenden auf
Hyperbel
daß sich ihr brennendes Bette erfüllt
Metapher
Du, die in Klüften gebahr mich und nährte
Personifikation
Jauchzend begrüßen mich alle die Quellen