Der Nibelungen Hort
1815Der Schiffer treibt im Nachen Auf mondbeglänzter Fluth, Die Wellen rauschen lockend, Wie er so träumend ruht.
Es schauen Burgruinen Vom Ufer groß und hehr, Er denkt der alten Zeiten, Wo sie nicht wüst und leer.
Der Zeiten, wo die Liebe, Das Glück dem Tapfern hold; Wo ist der Durst nach Ruhme? Es herrscht der Durst nach Gold.
Süß hallet über′s Wasser Der Lorelei Gesang, Der Nebel regt und formt sich Am fels′gen Uferhang.
Und mächtige Gestalten, Sie nahen ernst und leis, Sie locken ihn unmerklich, Hinein in ihren Kreis.
Dann theilen sich die Wellen Und drängen weit zurück, Es spähet tief hinunter Sein ahnungsvoller Blick.
Da funkeln Kron′ und Becher Und Spangen sonder Zahl, Es leuchtet rings die Tiefe Von der Juwelen Strahl.
Und nun erkennt er Alles, Die Nächt′gen, wie den Ort, Das sind die Nibelungen, Das ist ihr reicher Hort.
Viel bleiche Hüter sitzen Dort unten bei der Pracht, »O wer das Wort nun wüßte, Das starr die Wellen macht!«
Und wer die Stätte fände Beim lichten Tagesschein!« Die grauen Nibelungen, Sie schaun gar höhnisch drein.
Und wie er späht am Ufer, Und wie er sucht das Wort, Da schließen sich die Wellen, Verschwunden ist der Hort.
Allnächtlich weilt der Schiffer Nun auf des Stromes Fluth, Er sucht bei Loreleis Tönen Den Hort, der unten ruht.
Doch einmal treibt der Nachen Verlassen hin und her, Und bei dem Horte sitzet Ein bleicher Hüter mehr.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Nibelungen Hort" von Auguste Kurs handelt von einem Schiffer, der auf dem Fluss unter dem Einfluss des Mondlichts und des verführerischen Gesangs der Loreley in einen mystischen Traumzustand gerät. In diesem Zustand begegnet er den Geistern der alten Burgruinen und den Nibelungen, die ihn in ihren Kreis ziehen. Der Schiffer erblickt den sagenumwobenen Hort der Nibelungen, einen Schatz, der von bleichen Hütern bewacht wird. Doch als er nach dem geheimen Wort sucht, das die Wellen stillstehen lässt, und nach der Stelle, an der der Hort bei Tageslicht zu finden wäre, verschwindet der Schatz wieder in den Fluten. Die Interpretation des Gedichts offenbart eine tiefe Sehnsucht nach der Vergangenheit und den alten Werten wie Liebe und Ruhm, die im Gegensatz zur modernen Gier nach Gold stehen. Der Schiffer wird durch den Gesang der Loreley in eine Welt der Illusionen und des Verlangens gelockt, die letztendlich unerreichbar bleibt. Der Schatz der Nibelungen symbolisiert dabei sowohl den Reichtum als auch das Wissen und die Macht der Vergangenheit, die für den modernen Menschen unergründlich und unerreichbar sind. Das Gedicht endet mit der tragischen Erkenntnis, dass der Schiffer selbst zum Hüter des Hortes wird, was darauf hindeutet, dass die Suche nach dem Unerreichbaren den Menschen selbst verändern und in die Welt der Mythen und Legenden überführen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Burgruinen, Vom Ufer
- Anspielung
- Das sind die Nibelungen, Das ist ihr reicher Hort
- Beschreibung
- Viel bleiche Hüter sitzen Dort unten bei der Pracht
- Bildsprache
- Süß hallet über's Wasser Der Lorelei Gesang
- Enjambement
- Und mächtige Gestalten, / Sie nahen ernst und leis
- Hyperbel
- Es leuchtet rings die Tiefe Von der Juwelen Strahl
- Kontrast
- Wo ist der Durst nach Ruhme? Es herrscht der Durst nach Gold
- Metapher
- Mondbeglänzte Fluth
- Personifikation
- Die Wellen rauschen lockend
- Symbolik
- Der Durst nach Gold
- Wiederholung
- Und wie er späht am Ufer, Und wie er sucht das Wort