Der Neid
1879Neide nicht, o junges Mädchen, Deiner Schwester Lieblichkeit! Ahme nicht mit heißem Eifer Nach, was die Natur verbeut!
Eine Blume, noch im Werden, Sah die Lilie vor sich stehn Und, vergessend ihrer selber (Denn auch sie war hold und schön),
Neidet, zürnt sie, brennet ängstig, Lilie zu werden. Weh! Was geschieht? Die arme Blume Wird zu Feuerlilie.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Neid" von Johann Gottfried von Herder erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das von der Lieblichkeit seiner Schwester neidisch ist. Es ermutigt das Mädchen, nicht zu neiden und nicht mit Eifer nachzuahmen, was die Natur verbietet. Das Gedicht verwendet das Beispiel einer Blume, die eine Lilie vor sich sieht und sich wünscht, ebenfalls eine Lilie zu werden. Die Blume vergisst dabei ihre eigene Schönheit und beginnt, die Lilie zu beneiden und zu ächten. Sie sehnt sich danach, die Lilie zu werden, aber leider verwandelt sie sich in eine "Feuerlilie". Die Interpretation des Gedichts könnte lauten, dass Neid und Eifersucht oft dazu führen, dass man seine eigenen Stärken und Qualitäten vergisst. Die Blume im Gedicht ist so sehr darauf fixiert, wie die Lilie zu sein, dass sie ihre eigene Schönheit übersieht. Am Ende verwandelt sie sich in eine "Feuerlilie", was darauf hindeuten könnte, dass Neid und Eifersucht letztendlich zerstörerisch sein können. Das Gedicht ermutigt dazu, sich selbst zu akzeptieren und die Einzigartigkeit jedes Einzelnen zu schätzen, anstatt neidisch auf andere zu sein.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allegorie
- Die Blume, die zur Feuerlilie wird, als Allegorie für Neid und dessen zerstörerische Wirkung
- Bildsprache
- Feuerlilie als Bild für die zerstörerische Kraft des Neids
- Hyperbel
- Ahme nicht mit heißem Eifer nach
- Kontrast
- junges Mädchen - Schwester Lieblichkeit
- Metapher
- Blume zu Feuerlilie
- Personifikation
- Blume, noch im Werden
- Reimschema
- AABB
- Symbolik
- Lilie als Symbol der Reinheit und Schönheit