Der nächtliche Weg
1891Ich ging den Weg einmal: da war ich sieben, So arm und reich! Mir war, ich hielt ein nacktes Schwert in Händen, Und selbst die Sterne bebten seinem Streich.
Mit siebzehn ging ich wiederum den Weg Erst recht allein: Ein Etwas huschte in den blassen Winden, Von oben kam der fremden Welten Schein.
Nun führ ich dich, du spürst nur meine Hand: Einst war ich sieben … Und das Vergangne glimmt, von Geisterhand Mit blassem Schein ins Dunkel hingeschrieben!
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Interpretation
Das Gedicht "Der nächtliche Weg" von Hugo von Hofmannsthal beschreibt die Reise eines Menschen durch verschiedene Lebensphasen, symbolisiert durch drei unterschiedliche Wege. Der erste Weg wird in der Kindheit, im Alter von sieben Jahren, beschritten. Hier ist der Protagonist arm und reich zugleich, was auf die Unschuld und die grenzenlose Fantasie eines Kindes hindeutet. Das nackte Schwert in seinen Händen symbolisiert die Kraft und den Mut, die ein Kind empfindet, während die Sterne, die seinem Streich erzittern, die unbegrenzten Möglichkeiten und Träume dieser Lebensphase darstellen. Der zweite Weg wird im Alter von siebzehn Jahren gegangen, einer Zeit, in der der Protagonist alleine ist und sich mit den Unsicherheiten und Fragen des Erwachsenwerdens auseinandersetzt. Das "Etwas", das in den blassen Winden huscht, könnte auf die flüchtigen und schwer fassbaren Erfahrungen und Emotionen dieser Zeit hinweisen. Der fremde Welten Schein, der von oben kommt, symbolisiert möglicherweise die neuen Perspektiven und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Im dritten Teil des Gedichts führt der Protagonist jemand anderen, möglicherweise ein Kind oder ein jüngerer Mensch, durch die Dunkelheit. Die Hand, die er hält, symbolisiert die Führung und den Schutz, den er nun bieten kann. Das Vergangene, das von Geisterhand mit blassem Schein ins Dunkel hineingeschrieben wird, deutet auf die Erinnerungen und Erfahrungen hin, die den Protagonisten geprägt haben und die er nun an die nächste Generation weitergibt. Das Gedicht endet mit einer Reflexion über die Vergänglichkeit der Zeit und die Kontinuität des Lebens, wobei die Vergangenheit als leuchtendes Zeichen in der Gegenwart weiterlebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Allusion
- Von oben kam der fremden Welten Schein
- Bildlichkeit
- Ein Etwas huschte in den blassen Winden
- Kontrast
- So arm und reich
- Metapher
- Mir war, ich hielt ein nacktes Schwert in Händen
- Personifikation
- Und selbst die Sterne bebten seinem Streich
- Symbolik
- Das Vergangne glimmt, von Geisterhand mit blassem Schein ins Dunkel hingeschrieben