Der müde Soldat
1926Nach dem Chinesischen
Ein kahles Mädchen. Heckenblaßentlaubt. Sie steht am Weg. Ich gehe weit vorbei. So stehen alle: Reih in Reih Und Haupt an Haupt.
Was weiß ich noch von heiligen Gewässern Und von des Dorfes Abendrot? Ich bin gespickt mit tausend Messern Und müde von dem vielen Tod.
Der Kinder Augen sind wie goldner Regen, In ihren Händen glüht die Schale Wein. Ich will mich unter Bäumen schlafen legen Und kein Soldat mehr sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Der müde Soldat" von Klabund erzählt von einem erschöpften Soldaten, der auf seinem Weg an einem kahlen Mädchen vorbeigeht. Das Mädchen steht am Weg, während der Soldat weit vorbeigeht, und alle stehen in einer Reihe, Kopf an Kopf. Der Soldat hat keine Erinnerung mehr an heilige Gewässer und das Abendrot des Dorfes. Er ist voller Schmerzen und müde vom vielen Tod. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Augen der Kinder als goldenen Regen und ihre Hände, die die Schale Wein glühen lassen. Der müde Soldat sehnt sich danach, sich unter Bäumen schlafen zu legen und nicht mehr länger Soldat sein zu wollen. Er ist von den Strapazen des Krieges gezeichnet und sehnt sich nach Ruhe und Frieden. Das Gedicht vermittelt die tiefe Erschöpfung und den Verlust der Hoffnung eines Soldaten, der durch die Schrecken des Krieges gegangen ist. Es zeigt die Sehnsucht nach einem einfachen Leben und der Flucht vor der Gewalt und dem Tod. Der müde Soldat möchte sich von seiner Rolle als Kämpfer befreien und sich der Natur hingeben, um endlich zur Ruhe zu kommen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildlichkeit
- Ein kahles Mädchen. Heckenblaßentlaubt.
- Kontrast
- Ich will mich unter Bäumen schlafen legen / Und kein Soldat mehr sein
- Metapher
- Ich bin gespickt mit tausend Messern
- Parallelismus
- Reih in Reih / Und Haupt an Haupt
- Personifikation
- Und von des Dorfes Abendrot
- Vergleich
- Der Kinder Augen sind wie goldner Regen