Der Morgenkuss nach einem Ball
1800Durch eine ganze Nacht sich nahe seyn, So Hand in Hand, so Arm im Arme weilen, So viel empfinden ohne mitzutheilen - Ist eine wonnevolle Pein!
So immer Seelenblick im Seelenblick Auch den geheimsten Wunsch des Herzens sehen, So wenig sprechen, und sich doch verstehen - Ist hohes martervolles Glück!
Zum Lohn für die im Zwang verschwundne Zeit Dann bey dem Morgenstrahl, warm, mit Entzücken Sich Mund an Mund, und Herz an Herz sich drücken - O dies ist – Engelseligkeit!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Morgenkuss nach einem Ball" von Gabriele von Baumberg beschreibt die intensive emotionale Erfahrung zweier Liebender, die die Nacht über in enger körperlicher und seelischer Verbindung verbracht haben. Die Dichterin schildert die Mischung aus Glück und Qual, die in dieser Situation empfunden wird, wobei die Nähe und das Verstehen ohne Worte als "wonnevoll Pein" und "hohes martervolles Glück" bezeichnet werden. Die Stimmung des Gedichts ist von Sehnsucht und Erfüllung geprägt. Die Liebenden erleben eine tiefe Verbundenheit, die sich in den "Seelenblicken" ausdrückt, die die geheimsten Wünsche des Herzens erkennen. Die Spannung zwischen dem Verlangen nach Nähe und der Zurückhaltung, die durch gesellschaftliche Konventionen auferlegt wird, wird als besonders quälend und zugleich erhebend empfunden. Im letzten Verselbständigt sich die emotionale Intensität des Gedichts in der Beschreibung des "Morgenkusses" als "Engelseligkeit". Dieser Kuss, der nach einer ganzen Nacht des Wartens und der Zurückhaltung endlich vollzogen wird, wird als höchstes Glück und als himmlische Seligkeit dargestellt. Die Verwendung des Wortes "Engelseligkeit" unterstreicht die transzendente Qualität dieses Moments, der als ein Stück Himmel auf Erden erlebt wird. Das Gedicht reflektiert die romantische Vorstellung von Liebe als einer alles überwindenden Kraft, die sowohl Leid als auch Freude in sich vereint. Es zeigt die Spannung zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individuellen Sehnsüchten sowie die letztendliche Überwindung dieser Zwänge durch die Kraft der Liebe. Die Sprache des Gedichts ist dabei reich an emotionalen und sinnlichen Bildern, die die Intensität der beschriebenen Erfahrung eindrucksvoll vermitteln.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- So Hand in Hand, so Arm im Arme weilen
- Antithese
- wonnevolle Pein
- Hyperbel
- hohes martervolles Glück
- Metapher
- Seelenblick im Seelenblick
- Oxymoron
- martervolles Glück
- Personifikation
- Zum Lohn für die im Zwang verschwundne Zeit
- Symbolik
- Morgenstrahl
- Vergleich
- O dies ist – Engelseligkeit!