Der Morgen

Elisabeth Kulmann

unbekannt

Grau ruht der weite Himmel Stumm ob der stummen Erde. Da hellt ein Punkt im Osten Sich auf; wird immer größer Und immer heller; ahmet Itzt schwach der Perle Farbe, Dann stufenweis das Leuchten Des schillernden Opals nach; Entfaltet nun dem Auge Den holden Glanz der Rose, Und bald darauf, in Schichten, Das Gold der Sonnenblume, Die Purpurpracht des Mohnes, Dann ein Gemisch der schönsten Und anmuthsvollsten Farben, Der Tulpe gleich. Allmählig Wird rings umher der Schimmer Zu Glanz, der Glanz zu Strahlen. Mit einemmal verbleichet Der wunderbaren Farben Unsäglich schöner Reichthum, Und blendend zeigst, o Sonne, Du Geberin des Lichtes, Du Geberin der Wärme, Du Geberin des Lebens Und des Gedeihens alles Erschaffenen, der Pflanze, Des Thieres und des Menschen, Dein goldnes Haupt du lächelnd An des lasurnen Himmels Glanzüberströmtem Rande; Es hallen Luft und Erde Vom Lied der Vögel wieder, Und vom Gebrüll der Heerden; In Andacht und Bewundrung Versunken, stehet schweigend Der Mensch mit nassen Augen.

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Illustration zu Der Morgen

Interpretation

Das Gedicht "Der Morgen" von Elisabeth Kulmann beschreibt die allmähliche Erhellung des Himmels bei Sonnenaufgang. In der ersten Hälfte des Gedichts werden die verschiedenen Farben, die der Himmel annimmt, mit Juwelen und Blumen verglichen. Der Morgenhimmel wird als grau und stumm beschrieben, bevor ein Punkt im Osten aufhellt und immer größer und heller wird. Die Farben werden als Perle, Opal, Rose, Sonnenblume, Mohn und Tulpe beschrieben, was die Schönheit und Vielfalt des Sonnenaufgangs unterstreicht. In der zweiten Hälfte des Gedichts wird die Sonne selbst beschrieben. Die Sonne wird als Geberin von Licht, Wärme und Leben bezeichnet und als goldener Kopf dargestellt, der am Rand des blauen Himmels lächelt. Die Natur erwacht zum Leben, Vögel singen und Herden brüllen, während der Mensch in Andacht und Bewunderung versunken steht und mit nassen Augen schweigt. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Ehrfurcht vor der Natur und der Schönheit des Sonnenaufgangs. Das Gedicht ist in jambischen Versen geschrieben und hat eine regelmäßige Reimstruktur. Die Sprache ist poetisch und voller Bilder, die die Schönheit des Sonnenaufgangs einfangen. Die Verwendung von Juwelen und Blumen als Vergleiche für die Farben des Himmels verleiht dem Gedicht eine zusätzliche Ebene der Schönheit und Eleganz. Insgesamt ist das Gedicht eine Ode an die Natur und die Schönheit des Sonnenaufgangs, die den Leser in Staunen und Bewunderung versetzt.

Schlüsselwörter

glanz geberin erde farben grau ruht weite himmel

Wortwolke

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Stilmittel

Apostrophe
o Sonne
Hyperbel
Unsäglich schöner Reichthum
Personifikation
Stumm ob der stummen Erde
Symbolik
Der Mensch mit nassen Augen
Vergleich
Der Tulpe gleich