Der Mond

Kathinka Zitz-Halein

1902

Wenn die Schäferflöte Sanfte Lieder tönt, Und die Abendröthe Das Gefild verschönt,

Tritt im Silberglanze, Aus dem Wolkenchor, Mit dem Sternenkranze, Still der Mond hervor.

Lächelt dann voll Milde, Auf die Welt herab; Hellet Luftgefilde, Hellt das stille Grab.

Lockt mit seinen Strahlen Frieden in die Brust! Mildert Schmerz und Qualen, Giebt uns süße Lust.

Ach! in Wehmuthsträume Er so gerne wiegt, Daß in beßre Räume Auf die Seele fliegt.

Ruft der Kinderjahre, Längst entschwund’nes Glück! Ihre Festaltare Rufet er zurück.

Zeiget unsern Blicken Wesen halb verhüllt; Zeiget, o Entzücken, Ferner Lieben Bild.

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Illustration zu Der Mond

Interpretation

Das Gedicht "Der Mond" von Kathinka Zitz-Halein beschreibt die eindrucksvolle Erscheinung des Mondes in der Abenddämmerung. Die Schäferflöte ertönt sanft, die Abendröte verschönert das Feld, und der Mond tritt in silbernem Glanz aus den Wolken hervor, umgeben von einem Sternenkranz. Die Stimmung ist friedlich und erhaben, der Mond scheint mit mildem Lächeln auf die Welt herab und erhellt die Luft und die Stille der Gräber. Der Mond wird als eine tröstende und heilende Kraft dargestellt. Seine Strahlen locken Frieden in die Brust, mildern Schmerz und Qualen und schenken süße Lust. Der Mond wiegt die Menschen sanft in Wehmutsträume, sodass die Seele in bessere Räume aufsteigen kann. Er ruft die Erinnerungen an die sorglosen Kinderjahre und das längst entschwundene Glück zurück und zeigt den Blick auf halb verhüllte Wesen sowie das Bild der fernen Liebsten. Das Gedicht vermittelt eine romantische Stimmung, in der der Mond als Symbol für Sehnsucht, Erinnerung und die transzendente Schönheit der Natur steht. Er ist ein Trostspender in der Dunkelheit, der die Menschen mit seinen sanften Strahlen berührt und sie in Träume von einer besseren Welt entführt. Die Sprache ist lyrisch und voller Gefühl, sie malt ein stimmungsvolles Bild der Abendstimmung und der seelischen Wirkung des Mondes auf den Menschen.

Schlüsselwörter

zeiget schäferflöte sanfte lieder tönt abendröthe gefild verschönt

Wortwolke

Wortwolke zu Der Mond

Stilmittel

Alliteration
Sanfte Lieder tönt
Anspielung
Ruft der Kinderjahre, Längst entschwund'nes Glück! Ihre Festaltare Rufet er zurück.
Bildsprache
Lächelt dann voll Milde, Auf die Welt herab; Hellet Luftgefilde, Hellt das stille Grab.
Metapher
Zeiget unsern Blicken Wesen halb verhüllt; Zeiget, o Entzücken, Ferner Lieben Bild.
Personifikation
Tritt im Silberglanze, Aus dem Wolkenchor, Mit dem Sternenkranze, Still der Mond hervor.
Symbolik
Lockt mit seinen Strahlen Frieden in die Brust! Mildert Schmerz und Qualen, Giebt uns süße Lust.
sar heruntersteige
Appell
Dir dann, du schmachtend Auge der Nacht, o Mond, / Dir blick' ich träumend wieder von neuem zu
Beschleunigung
Und selbst des Donn'rors Säulentempel / Schwindet in Dämm'rung am Capitole
Bildsprache
Epheubewachsene Gräber düstern
Hyperbel
Stets blickst mit gleicher Liebe dein Rom du an
Kontrast
Oft bist du klar, sanft lächelnde Freundin Roms! / Oft aber gleich den Schatten des Schicksals
Metapher
der Vollmond hellt
Personifikation
klagt' eine Nachtigall
Symbolik
Mondlicht und Todtenstille
Vergleich
gleich den Völkerstürmen und den Schrecken