Der Mond lügt

Wolfgang Borchert

1937

Der Mond malt ein groteskes Muster an die Mauer. Grotesk? Ein helles Viereck, kaum gebogen, von einer Anzahl dunkelgrauer und schmaler Linien durchzogen. Ein Fischernetz? Ein Spinngewebe? Doch ach, die Wimper zittert, wenn ich den Blick zum Fenster hebe: Es ist vergittert!

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Interpretation

Das Gedicht "Der Mond lügt" von Wolfgang Borchert handelt von der Täuschung durch äußere Erscheinungen. Der Mond malt ein groteskes Muster an die Mauer, das zunächst als Fischernetz oder Spinngewebe erscheint. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das Muster als vergittertes Fenster. Die groteske Natur des Musters wird durch die Frage "Grotesk?" unterstrichen, die auf die unerwartete und unheimliche Wahrheit hinweist. Das Gedicht thematisiert die Gefangenschaft und die Begrenzung der Freiheit. Das vergitterte Fenster symbolisiert die Einschränkung und die Unfähigkeit, die Welt außerhalb zu erreichen. Der Mond, der normalerweise mit Freiheit und Weite assoziiert wird, täuscht den Betrachter, indem er die Gitterstäbe als etwas anderes erscheinen lässt. Die zitternde Wimper des Betrachters verdeutlicht die emotionale Reaktion auf die Entdeckung der wahren Natur des Musters. Wolfgang Borchert nutzt die Metapher des vergitterten Fensters, um die Gefangenschaft des menschlichen Geistes und die Begrenzung der Perspektive zu verdeutlichen. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Natur der Realität und die Möglichkeit der Täuschung an. Es erinnert daran, dass nicht alles, was auf den ersten Blick erscheint, auch die wahre Natur der Dinge widerspiegelt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
von einer Anzahl dunkelgrauer und schmaler Linien durchzogen
Bildsprache
Ein helles Viereck, kaum gebogen, von einer Anzahl dunkelgrauer und schmaler Linien durchzogen
Kontrast
Es ist vergittert!
Metapher
Der Mond malt ein groteskes Muster an die Mauer
Rhetorische Frage
Ein Fischernetz? Ein Spinngewebe?