Der Mittwoch, eine dröstliche Hülsenblüthe
1869Posaunen hauchen wilden Geisterlaut, Dazwischen hürchelt banges Orgelstöhnen, Leis wuchert bst! der Andacht Ginsterkraut - Da steh ich in dem Dom - umringt von Schönen. Sie dort, die Blonde unter Kerzgeflimmer! Ein einsam gramgeboren Frauenzimmer, Sie zupft, ha! mit dem Finger, prickt und pocht An der Laterne quirlendem Gedocht.
Und drüben an der schmerlegrausen Säul′, Hohlhüstelnd ragt die schwimmelnde Matrone, Der Blick des Auges schwärmt dahin, ein Pfeil, Ausschwirrend durch des Lebens Nachtschablone. Hi! Still! na! o, ich bin verloren, Zerrückt, zerknistert, gluthig angeschmoren, Was ist das, die Laterne spritzt und kocht - Auch sie zupft, zirpst am eignen Lebensdocht.
Und Käuzchenschrei ruschelt mit Geierpfiff Wirr durch der Halle wimmerfahlen Brodem - Verfallenes Gemäuer, eingestürztes Schiff, Glockengebraus, Gespensterschwadenodem … Und Mitternacht! Dann plötzlich Lichtgefunkel Da wälzet aus des Dienstags Trümmerdunkel Der Mittwoch frühlichtflimmernd sich empor, Und säuselt Schauerluft in′s linke Ohr.
Hahu! regnet es nicht? Saugt nicht den Duft Des molchgesäugten giftiggelben Schwadens Natur? zückt greiser Blitz in wunde Brust, Verzweifelnd an dem Glücke des Entladens? Scheu flattert auf der Troß der Quazaquelen, Die Lampe schüttert lächelnd im Verschwehlen, Die Damen knicken um, der Dolde gleich, Der Bräutigam entrispelt dem Bereich.
Hui! ich erwach′! Des Traumes Vampyr flieht, Und schon an der Gardine zupfen Strahlen Der Morgensonne bst! Frohlock′, Gemüth! Die Lerchen zitschern weg die lecken Qualen. Des Kummers feuchte Moderkatakombe Stürzt donnernd ein und nur die müß′ge Rombe Der glitzerhaften Qualerinnerung Schlirrt noch einmal - und du bliebst jung?
Kling klar! Johann! Die schwarzen Schimmel vor! Spann an! wir fahren heut′ noch durch die Haide, Dort, wo die Krähe duckt, die Kröt′ im Moor, Dort soll versausen meiner Seele Freude. Lang ist der Tag - d′rum gleich der Wetterwolke Ausbrechen laß′ die Bracken bis zum Kolke! Wie geigt die Grill′ wie brodelt′s im Gestumpf! Sehr mangelt mir der Sitz … hinaus zum Sumpf!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Mittwoch, eine dröstliche Hülsenblüthe" von Ludwig Eichrodt ist ein surrealistisches Werk, das den Leser in eine traumhafte, albtraumhafte Welt entführt. Der Dichter verwendet eine Vielzahl von ungewöhnlichen, oft erfundenen Wörtern und Phrasen, um eine Atmosphäre der Verwirrung und des Unbehagens zu schaffen. Die Handlung, wenn man sie so nennen kann, scheint sich in einer Kirche abzuspielen, in der der Erzähler von schönen Frauen umgeben ist. Die Frauen werden als geheimnisvoll und beunruhigend dargestellt, und ihre Handlungen sind oft unklar oder mehrdeutig. Im zweiten Teil des Gedichts verlagert sich die Szene in eine nächtliche Landschaft, die von seltsamen Geräuschen und Visionen erfüllt ist. Der Erzähler erwacht aus einem Traum, aber die Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit bleibt verschwommen. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zum Handeln, einem Ausbruch in die Natur, weg von der Enge und dem Unbehagen der vorherigen Szenen. Doch auch hier bleibt ein Gefühl der Unruhe und des Unbehagens bestehen, das durch die seltsamen, oft unheimlichen Beschreibungen der Natur verstärkt wird. Insgesamt ist "Der Mittwoch, eine dröstliche Hülsenblüthe" ein Gedicht, das den Leser in eine surreale, traumhafte Welt entführt. Es ist ein Werk, das die Grenzen der Sprache und der Wahrnehmung auslotet und den Leser herausfordert, sich auf eine Reise in das Unbekannte und Unheimliche einzulassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Frohlock′, Gemüth!
- Metapher
- Des Kummers feuchte Moderkatakombe
- Personifikation
- der Sitz ... hinaus zum Sumpf