Der Misanthrop

Johann Wolfgang von Goethe

1775

Erst sitzt er eine Weile, Die Stirn von Wolken frei; Auf einmal kömmt in Eile Sein ganz Gesicht der Eule Verzerrtem Ernste bei.

Sie fragen, was das sei? Lieb′ oder Langeweile?

Ach, sie sind′s alle Zwei!

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Interpretation

Das Gedicht "Der Misanthrop" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt eine Person, die zunächst ruhig und nachdenklich wirkt, mit einer klaren Stirn. Plötzlich verzieht sich ihr Gesicht zu einer ernsten Miene, die an die einer Eule erinnert. Die Fragenden fragen sich, ob dies Liebe oder Langeweile sei. Die Antwort lautet, dass es beides ist. Das Gedicht deutet darauf hin, dass der Misanthrop eine Person ist, die sich von der Gesellschaft zurückgezogen hat und in sich selbst versunken ist. Die Eulenmiene symbolisiert die Ernsthaftigkeit und Introspektion, mit der der Misanthrop die Welt betrachtet. Liebe und Langeweile sind für ihn nicht voneinander zu trennen, da er in der Einsamkeit sowohl Trost als auch Leid erfährt. Goethes Gedicht vermittelt die Idee, dass der Misanthrop eine komplexe und widersprüchliche Figur ist, die sowohl die Schönheit als auch die Leere des Lebens erfährt. Die kurzen, prägnanten Zeilen und der Reimschema verleihen dem Gedicht eine rhythmische Struktur, die die Intensität der Gefühle des Misanthropen unterstreicht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Enjambement
Erst sitzt er eine Weile, Die Stirn von Wolken frei; Auf einmal kömmt in Eile Sein ganz Gesicht der Eule Verzerrtem Ernste bei.
Metapher
Sein ganz Gesicht der Eule
Personifikation
Die Stirn von Wolken frei
Rhetorische Frage
Sie fragen, was das sei? Lieb′ oder Langeweile?
Vergleich
Sein ganz Gesicht der Eule