Der Metaphysiker

Friedrich von Schiller

1759

“Wie tief liegt unter mir die Welt! Kaum seh′ ich noch die Menschlein unten wallen! Wie trägt mich meine Kunst, die höchste unter allen, So nahe an des Himmels Zelt!” So ruft von seines Turmes Dache Der Schieferdecker, so der kleine große Mann, Hans Metaphysikus, in seinem Schreibgemache. Sag′ an, du kleiner großer Mann, Der Turm, von dem dein Blick so vornehm niederschauet, Wovon ist er - worauf ist er erbauet? Wie kamst du selbst hinauf - und seine kahlen Höhn, Wozu sind sie dir nütz, als in das Tal zu sehn?

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Interpretation

Das Gedicht "Der Metaphysiker" von Friedrich von Schiller kritisiert die Selbstüberschätzung und die abgehobene Denkweise von Metaphysikern. Schiller stellt die Welt als fern und unwichtig dar, während die Metaphysiker sich selbst als höchste Kunst betrachten und sich dem Himmel nahe fühlen. Dies verdeutlicht die Distanz und Abgehobenheit der Metaphysiker von der realen Welt und den alltäglichen menschlichen Angelegenheiten. Schiller verwendet die Metapher des Turms, um die erhöhte Position und das überlegene Gefühl der Metaphysiker zu symbolisieren. Der Turm steht für das abstrakte Denken und die intellektuelle Überlegenheit, die die Metaphysiker für sich beanspruchen. Schiller stellt jedoch die Frage nach dem Fundament dieses Turms und dem Nutzen seiner kahlen Höhen. Dies deutet darauf hin, dass das abstrakte Denken der Metaphysiker möglicherweise auf unsicherem Boden steht und keinen praktischen Nutzen für die reale Welt hat. Die abschließende Frage nach dem Zweck der kahlen Höhen des Turms unterstreicht die Kritik an der abgehobenen Denkweise der Metaphysiker. Schiller stellt die Frage, ob das abstrakte Denken und die intellektuelle Überlegenheit der Metaphysiker wirklich von Bedeutung sind, wenn sie nur dazu dienen, auf das Tal hinabzusehen. Dies impliziert, dass die Metaphysiker möglicherweise ihre Zeit und Energie verschwenden, indem sie sich in abstrakte Gedanken verlieren, anstatt sich mit den realen Problemen und Herausforderungen der Welt auseinanderzusetzen.

Schlüsselwörter

mann tief liegt welt kaum seh menschlein unten

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Stilmittel

Frage
Sag′ an, du kleiner großer Mann, Der Turm, von dem dein Blick so vornehm niederschauet, Wovon ist er - worauf ist er erbauet? Wie kamst du selbst hinauf - und seine kahlen Höhn, Wozu sind sie dir nütz, als in das Tal zu sehn?
Hyperbel
Wie trägt mich meine Kunst, die höchste unter allen, So nahe an des Himmels Zelt!
Ironie
Hans Metaphysikus, in seinem Schreibgemache
Metapher
Wie tief liegt unter mir die Welt!
Personifikation
Kaum seh′ ich noch die Menschlein unten wallen!