Der Mann von Schnee
1879Schneemann dort am Gartenzaune Hat gar eine üble Laune. Steht er da voll Trutz und Groll, Weiß nicht, was er reden soll. Und die Sonne blinkt und blitzt, Daß er wie ein Kranker schwitzt. Weil der Himmel ist so blau, Aergert er sich braun und grau; Weil die Wiesen werden grün, Aergert er sich schmal und dünn. Schneemann ist in großer Noth, Denn es winkt ihm schon der Tod. Noch ein Schnapper, noch ein Schnauf Und er steht nicht wieder auf. Kommen dann die schwarzen Raben, Seine Leiche zu begraben. Und Schneeglöcklein will vor Freuden, Ihm die Sterbeglocke läuten. Und die Lerch′ vor allen Dingen Ihm ein Schlummerliedchen singen. Aber wo ist er zu finden? Vornen nicht, und auch nicht hinten. Freilich, weil ihm ganz zerbrochen An der Sonne seine Knochen, Weil zu Wasser er zerronnen An dem Glanz der goldnen Sonnen. Kommt der Storch dazu geflogen, Und die Schwalbe hergezogen, Fragen nach dem todten Mann, Niemand von ihm sagen kann: Wälzt der Storch mit seinem Bein An den Zaun hin einen Stein; Und die Schwalbe mit dem Schnabel Schreibt darauf die ganze Fabel: Hier liegt Einer, der im Leben, Weiter keinen Taug gegeben; Der sich faul und sehr verstockt, Lebenslang daher gehockt; Und damit er doch nicht länger Bleiben soll ein Müßiggänger, Und ein Griesgram und ein Hasser, Schmolz der Frühling ihn zu Wasser; Und damit will er begießen All′ die Blumen auf den Wiesen, Daß sie weiß und gelb und grün Euch zur Lust und Freude blüh′n.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Mann von Schnee" von Friedrich Wilhelm Güll erzählt die tragische Geschichte eines Schneemanns, der am Gartenzaun steht und unter der Sonne leidet. Der Schneemann hat eine schlechte Laune, da er nicht weiß, was er sagen soll, und die Sonne ihn zum Schwitzen bringt. Die Veränderungen in der Natur, wie der blaue Himmel und die grünen Wiesen, ärgern ihn zusätzlich. Der Schneemann befindet sich in großer Not, da der Tod bereits winkt. Er wird bald schmelzen und von den schwarzen Raben begraben werden. Die Natur selbst scheint den Schneemann zu betrauern. Die Schneeglöckchen wollen ihm die Sterbeglocke läuten, und die Lerchen möchten ihm ein Schlummerlied singen. Doch der Schneemann ist nicht mehr zu finden, da er an der Sonne zerbrochen und zu Wasser zerflossen ist. Der Storch und die Schwalbe kommen, um nach dem toten Mann zu fragen, aber niemand kann ihnen etwas über ihn sagen. Der Storch legt einen Stein an den Zaun, und die Schwalbe schreibt mit ihrem Schnabel die ganze Fabel darauf. Die Inschrift auf dem Stein enthüllt die wahre Bedeutung des Gedichts. Der Schneemann war ein fauler und verstockter Mensch, der sein Leben lang herumhockte und niemandem nützte. Der Frühling, als Symbol für Veränderung und Erneuerung, schmolz ihn zu Wasser, um ihn zu begießen und die Blumen auf den Wiesen wachsen zu lassen. Die Blumen sollen den Menschen zur Lust und Freude blühen. Das Gedicht vermittelt eine moralische Lektion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutung von Produktivität und Nützlichkeit für die Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schnapper, noch ein Schnauf
- Bildsprache
- Und damit will er begießen All′ die Blumen auf den Wiesen
- Hyperbel
- Noch ein Schnapper, noch ein Schnauf Und er steht nicht wieder auf
- Kontrast
- Weil die Wiesen werden grün, Aergert er sich schmal und dünn
- Metapher
- Daß sie weiß und gelb und grün Euch zur Lust und Freude blüh′n
- Personifikation
- Und ein Griesgram und ein Hasser, Schmolz der Frühling ihn zu Wasser
- Symbolik
- Schneemann ist in großer Noth, Denn es winkt ihm schon der Tod