Der Maler
1832Ein Maler trat heran zu mir: »Ich male dir ihr Bild!« Ich führt′ ihn alsobald zu ihr, Sie litt es freundlich-mild.
Er malte unter Spiel und Scherz Das süße Angesicht, Sie fühlte seltsamlichen Schmerz, Doch sagte sie es nicht.
Er malte ihrer Wangen Rot, Des Auges Glanz zugleich, Da ward ihr Auge blind und tot Und ihre Wange bleich.
Und als sie ganz vollendet stand, Die liebliche Gestalt, Da griff ich nach des Mädchens Hand, Doch die war feucht und kalt.
Der Maler sah mir schweigend zurück, Dann rief er spöttisch drein: »Ich wünsch′ der Jungfrau gute Ruh′, Sie wird gestorben sein.«
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Interpretation
Das Gedicht "Der Maler" von Friedrich Hebbel erzählt von einem Maler, der ein Bild einer jungen Frau anfertigt. Der Erzähler führt den Maler zu der Frau, die ihm freundlich und mild gestattet, ihr Bild zu malen. Während des Malens spielt und scherzt der Maler, doch die Frau fühlt einen seltsamen Schmerz, den sie nicht äußert. Der Maler malt die roten Wangen und den glänzenden Blick der Frau, doch während des Malprozesses werden ihr Auge blind und tot, und ihre Wange wird bleich. Als das Bild schließlich vollendet ist und die liebliche Gestalt der Frau darstellt, greift der Erzähler nach ihrer Hand, doch diese ist feucht und kalt. Der Maler schaut schweigend zurück und ruft dann spöttisch, dass er der Jungfrau eine gute Ruhe wünsche, da sie gestorben sein wird. Das Gedicht endet mit einer düsteren Andeutung des Todes der Frau, die durch den Malprozess verursacht wurde.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sie fühlte seltsamlichen Schmerz
- Ironie
- Ich wünsch′ der Jungfrau gute Ruh′, Sie wird gestorben sein.
- Metapher
- Er malte ihrer Wangen Rot, Des Auges Glanz zugleich
- Personifikation
- Ein Maler trat heran zu mir: »Ich male dir ihr Bild!«
- Symbolik
- Des Auges Glanz zugleich, Da ward ihr Auge blind und tot