Der Maler
1837Aus Wolken, eh im nächtgen Land Erwacht die Kreaturen, Langt Gottes Hand, Zieht durch die stillen Fluren Gewaltig die Konturen, Strom, Wald und Felsenwand.
Wach auf, wach auf! Die Lerche ruft, Aurora taucht die Strahlen Verträumt in Duft, Beginnt auf Berg und Talen Ringsum ein himmlisch Malen In Meer und Land und Luft.
Und durch die Stille, lichtgeschmückt, Aus wunderbaren Locken Ein Engel blickt. - Da rauscht der Wald erschrocken, Da gehn die Morgenglocken, Die Gipfel stehn verzückt.
O lichte Augen, ernst und mild, Ich kann nicht von euch lassen! Bald wieder wild Stürmts her von Sorg und Hassen - Durch die verworrnen Gassen Führ mich, mein göttlich Bild!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Maler" von Joseph von Eichendorff beschreibt die transformative Kraft der Natur und die tiefe emotionale Wirkung, die sie auf den Betrachter ausübt. Der erste Teil des Gedichts schildert die Morgendämmerung als einen göttlichen Schöpfungsprozess, bei dem die Natur durch die "Gottes Hand" neu geformt wird. Die Konturen von Strom, Wald und Felsenwand werden in einem gewaltigen Akt der Schöpfung gezeichnet, während die Lerche ruft und Aurora ihre Strahlen in die Landschaft taucht. Diese Darstellung verleiht der Natur eine fast sakrale Bedeutung und stellt sie als ein Werk göttlicher Kunst dar. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Morgendämmerung als ein himmlisches Malen beschrieben, das sich über Berg und Tal erstreckt. Ein Engel blickt aus den wunderbaren Locken des Lichts hervor, und die Natur erwacht in einem Schauspiel aus Licht und Klang. Der Wald rauscht erschrocken, die Morgenglocken läuten, und die Gipfel stehen verzückt. Diese lebendige und farbenfrohe Beschreibung vermittelt ein Gefühl von Erhabenheit und Ehrfurcht vor der Schönheit der Natur. Der letzte Teil des Gedichts wendet sich direkt an die "lichten Augen", die als Symbol für die Schönheit und Erhabenheit der Natur stehen. Der Sprecher fühlt sich tief von ihnen berührt und bittet sie, ihn durch die "verworrnen Gassen" des Lebens zu führen. Dies kann als eine Bitte um Führung und Inspiration durch die Schönheit der Natur interpretiert werden, die den Sprecher vor den Stürmen des Lebens bewahren soll. Das Gedicht endet mit einer tiefen emotionalen Verbindung zwischen dem Sprecher und der Natur, die als ein "göttlich Bild" dargestellt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Aurora taucht die Strahlen Verträumt in Duft
- Metapher
- Mein göttlich Bild
- Personifikation
- Die Gipfel stehn verzückt