Der Mai ist gekommen
1848Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, Da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus; Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt, So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt! Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht! Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert, Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.
Frisch auf drum, frisch auf im hellen Sonnenstrahl Wohl über die Berge, wohl durch das tie e Tal! Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all, Mein Herz ist wie’ne Lerche und stimmet ein mit Schall.
Und abends im Städtlein da kehr’ ich durstig ein: “Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein! Ergreife die Fiedel, du lust’ger Spielmann du, Von meinem Schatz das Liedel sing’ ich dazu.”
Und find’ ich keine Herberg’, so lieg’ ich zu Nacht Wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht: Im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach, Es küsset in der Früh’ das Morgenrot mich wach.
O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust! Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust; Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt: Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Mai ist gekommen" von Emmanuel Geibel ist ein lebendiges Loblied auf die Freiheit und die Freude des Wanderns in der Natur. Es beginnt mit der Ankunft des Mai, der als Symbol für Erneuerung und Aufbruch steht. Der Sprecher lädt alle ein, die Sorgen hinter sich zu lassen und sich auf den Weg in die weite Welt zu machen. Der zweite Teil des Gedichts zeigt die Abschiednahme von den Eltern und die Vorfreude auf neue Erfahrungen. Der Sprecher freut sich darauf, unbekannte Wege zu erkunden und neue Weine zu probieren. Die Reise wird als Abenteuer dargestellt, das voller Möglichkeiten und Überraschungen steckt. Im dritten Teil des Gedichts wird die Reise selbst beschrieben. Der Sprecher wandert fröhlich durch Berge und Täler, begleitet von den Klängen der Natur. Abends sucht er in einem Städtchen eine Herberge auf, wo er Wein trinkt und Lieder singt. Sollte er keine Unterkunft finden, ist er bereit, unter dem Sternenhimmel zu schlafen und sich vom Morgenrot wecken zu lassen. Das Gedicht endet mit einer leidenschaftlichen Ode an das Wandern und die Freiheit, die es mit sich bringt. Der Sprecher fühlt sich von Gottes Odem erfrischt und sein Herz jubelt vor Freude über die Schönheit der weiten Welt. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und eine unbeschwerte Lebensfreude, die den Leser inspiriert, ebenfalls aufzubrechen und die Welt zu erkunden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Frisch auf im hellen Sonnenstrahl
- Anapher
- Es gibt so manche Straße, da nimmer ich marschiert, Es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert
- Apostrophe
- O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
- Bildsprache
- Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all
- Direkte Ansprache
- Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt!
- Hyperbel
- O du weite, weite Welt
- Kontrast
- Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal
- Metapher
- Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt
- Parallelismus
- Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal
- Personifikation
- Die Sterne halten Wacht
- Symbolik
- Mein Herz ist wie'ne Lerche
- Vokativ
- Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!