Der Liebesgarten
1806Wenn Nachts der freundliche Schlummer Die silbernen Fäden webt, Da trägt es mich flugs in ein Gärtchen, Wo Liebe nur schafft und webt.
Drin grünet manch seliges Plätzchen, Drin blühet manch lieblicher Strauß; Da pfleg’ ich mein friedliches Gärtchen Und schmück’ es gar sorglich aus:
Mit Freuden und Leiden der Liebe, Bis der purpurne Morgen kam, Doch nicht mit all’ meinen Freuden Und nicht mit all’ meinem Gram!
Denn würde zur farbigen Blume Jedweder selige Traum, Für all’ die Blüthen und Blumen Wär’ in dem Gärtchen nicht Raum.
Und fiele gar jegliche Thräne Als Thau auf die Fluren schwer, Bald sähe man statt des Gärtchens Ein blitzendes Perlenmeer.
Und lächelten Blicke der Liebe Als Sonnen von Himmelshöhn, Bald glänzten aufs Gärtchen mehr Sonnen, Als Halme auf Wiesen stehn.
Und flatterte jegliches Küßchen Als farbiger Schmetterling, Bald blühten zu wenig der Blumen Den Faltern im Gartenring.
Doch trübte jeglicher Zwiespalt Als Wolke der Sonnen Schein, Traun, oben am Himmel blieb’ es Wohl ewig heiter und rein.
Und wüchse jegliche Untreu Des Liebchens als Schierlingskraut, Ich hätte die Schierlingsstaude Im Gärtchen noch nie erschaut.
So träum’ ich mir Nachts mein Gärtchen Aus der Liebe Freuden und Gram; Wie anders doch ist es zu schauen, Wenn wieder der Morgen kam!
Die Falter sind all’ entflogen, Die Sonnen sind alle verglüht, Die seligen Plätzchen verschwunden, Die Blumen versengt und verblüht.
Der einzige Thau sind die Thränen; Der Schierling das einzige Grün, Und über erstorbenen Keimen Ziehn düstere Wolken dahin.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Liebesgarten" von Anastasius Grün beschreibt einen Traumgarten, in dem die Liebe als Gärtnerin tätig ist. In diesem Garten werden Freuden und Leiden der Liebe symbolisch dargestellt, wobei die Liebe mit großer Sorgfalt und Hingabe den Garten pflegt und schmückt. Der Garten ist voller blühender Blumen und grüner Plätzchen, die die verschiedenen Aspekte der Liebe repräsentieren. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Vorstellungskraft der Liebe weiter ausgeführt. Die Freuden der Liebe werden als bunte Blumen und Schmetterlinge dargestellt, während die Leiden als Tränen und Wolken symbolisiert werden. Die Liebe ist so reich an Emotionen, dass der Garten nicht genügend Platz für all die Blumen und Schmetterlinge hätte, und die Tränen würden einen glitzernden Perlensee bilden. Die Liebe ist so intensiv, dass sie den Garten mit mehr Sonnen als Grashalmen auf einer Wiese erhellen würde. Im letzten Teil des Gedichts wird der Kontrast zwischen Traum und Wirklichkeit deutlich. Wenn der Morgen kommt, verschwinden die Symbole der Liebe, und der Garten verwelkt. Die Falter, die Sonnen und die Blumen sind verschwunden, und nur die Tränen bleiben als Tau zurück. Der Schierling, ein Symbol für Untreue, ist das einzige Grün im Garten. Düstere Wolken ziehen über die erstorbenen Keime hinweg, was die Vergänglichkeit der Liebe und die Realität des Schmerzes und der Enttäuschung symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Ziehn düstere Wolken dahin
- Personifikation
- Wo Liebe nur schafft und webt