Der letzte Rausch
1928Wenn die Kräfte mürrisch mir ermatten, Und der Tod mich rief ans Telephon, Will ich mir noch einen Rausch gestatten In dem besten Wein von Avalon.
Aber nicht am Tisch der alten Knaben, Wo das Leben säuerlich verschlammt: Meinen letzten Rausch, den will ich haben, Wo der erste mir das Blut entstammt!
Vor den Bergen auf der grünen Welle, Wo das Landhaus meiner Eltern stand, Hat in froher Sommersonnenhelle Lieb′ und Wein zuerst in mir gebrannt!
Aus den Augen einer blonden Kleinen Grüßte mich die erste Liebesglut, Und die weite Welt war schön zum Weinen, Und zum Lachen schön mein Übermut!
Größe träumt′ ich, kühne Wundertaten, Und wir stießen an mit goldnem Wein - Dort, wo mir der erste Rausch geraten, Soll mein letzter auch getrunken sein!
Was im Glase damals ich gelesen Als der Zukunft stolzen Saus und Braus, Träumen will ich, daß es auch gewesen: Und dann schlaf′ ich alle Räusche aus.
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Interpretation
Das Gedicht "Der letzte Rausch" von Hanns von Gumppenberg handelt von einem Menschen, der dem Tod nahe ist und sich noch einen letzten Rausch in seinem Leben gönnen möchte. Der Sprecher möchte diesen letzten Rausch nicht in der Gesellschaft alter Männer erleben, sondern an dem Ort, an dem sein erster Rausch stattgefunden hat. Dieser Ort ist ein Landhaus seiner Eltern, umgeben von Bergen und grünen Wiesen, wo er in seiner Jugend die ersten Erfahrungen mit Liebe und Wein gemacht hat. Der Sprecher erinnert sich an eine blonde Kleine, die ihm die erste Liebesglut entgegenbrachte und ihm die Welt als wunderschön und voller Möglichkeiten erschien. Er träumte von großen Taten und stieß mit goldenem Wein an. Der letzte Rausch soll an diesem Ort stattfinden, wo der erste Rausch ihn geprägt hat. Der Sprecher möchte in seinem letzten Rausch die Zukunft, die er einst im Glas gelesen hat, noch einmal träumen und sich vorstellen, dass alles, was er sich erträumt hat, auch eingetreten ist. Danach will er alle Rauschzustände hinter sich lassen und in einen tiefen Schlaf fallen, der den Tod symbolisiert. Das Gedicht beschreibt die Sehnsucht nach einem letzten Moment der Ekstase und des Glücks, bevor der Tod eintritt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Als der Zukunft stolzen Saus und Braus
- Kontrast
- Aber nicht am Tisch der alten Knaben, Wo das Leben säuerlich verschlammt
- Metapher
- Und dann schlaf′ ich alle Räusche aus
- Ortsbeschreibung
- Vor den Bergen auf der grünen Welle, Wo das Landhaus meiner Eltern stand
- Parallelismus
- Dort, wo mir der erste Rausch geraten, Soll mein letzter auch getrunken sein
- Personifikation
- Wenn die Kräfte mürrisch mir ermatten
- Rückbezug
- Wo der erste mir das Blut entstammt
- Symbolik
- Mit goldnem Wein
- Zeitangabe
- In froher Sommersonnenhelle