Der Leiermann
1824Drüben hinter′m Dorfe Steht ein Leiermann, Und mit starren Fingern Dreht er was er kann.
Barfuß auf dem Eise Schwankt er hin und her; Und sein kleiner Teller Bleibt ihm immer leer.
Keiner mag ihn hören, Keiner sieht ihn an; Und die Hunde brummen Um den alten Mann.
Und er läßt es gehen Alles, wie es will, Dreht, und seine Leier Steht ihm nimmer still.
Wunderlicher Alter, Soll ich mit dir gehn? Willst zu meinen Liedern Deine Leier drehn?
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Interpretation
Das Gedicht "Der Leiermann" von Wilhelm Müller handelt von einem alten, armen Leiermann, der am Rande des Dorfes steht und mit steifen Fingern seine Leier spielt. Trotz seiner Bemühungen bleibt sein kleiner Teller leer, da ihn niemand beachtet oder hören möchte. Die Hunde bellen ihn an, und er wird von der Gesellschaft ignoriert und ausgegrenzt. Der Leiermann verkörpert die Einsamkeit und Verzweiflung eines Menschen, der am Rande der Gesellschaft steht und von niemandem wahrgenommen wird. Das Gedicht verdeutlicht die Kälte und Härte des Lebens, die sich in der winterlichen Umgebung und dem barfüßigen, auf dem Eis schwankenden Leiermann widerspiegeln. Die Wiederholung des Satzes "Dreht, und seine Leier steht ihm nimmer still" unterstreicht die unermüdliche, aber vergebliche Anstrengung des Leiermanns, der trotz aller Widrigkeiten weiterspielt. Das Gedicht wirft Fragen nach der Bedeutung von Kunst und Musik in einer Welt auf, die sie nicht zu schätzen weiß. Im letzten Strophenabschnitt wendet sich der lyrische Ich an den Leiermann und fragt, ob er mit ihm gehen und zu seinen Liedern die Leier des Leiermanns spielen soll. Diese Frage könnte als Angebot der Solidarität und des Verständnisses für den Außenseiter interpretiert werden. Gleichzeitig könnte sie aber auch die eigene Einsamkeit und das Gefühl des Ausgestoßenseins des lyrischen Ichs widerspiegeln, das sich mit dem Leiermann identifiziert und eine Verbindung zu ihm sucht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- [Steht ein Leiermann mit starren Fingern Schwankt er hin und her Und die Hunde brummen Und er läßt es gehen Deine Leier drehn]
- Bildlichkeit
- [Drüben hinter'm Dorfe Barfuß auf dem Eise Und die Hunde brummen um den alten Mann]
- Frage
- [Wunderlicher Alter, Soll ich mit dir gehn?]
- Metapher
- [Barfuß auf dem Eise]
- Personifikation
- [Und die Hunde brummen Seine Leier steht ihm nimmer still]
- Wiederholung
- [Keiner mag ihn hören, Keiner sieht ihn an]