Der Kranke
1813Der Kranke in seinem Bette, Wie schlief er so schwer und so bang, Als hin zu der schwülen Stätte Der erste Lenzhauch drang.
Ein Fenster war aufgegangen, Durch das er hinein sich stahl, Nun kühlt er die heißen Wangen, Die glühende Stirn zumal.
Und all dies linde Kosen, Das Blüten gelockt aus dem Baum, Es gibt dem Hoffnungslosen Genesung in süßem Traum.
Doch ach, der holde Gedanke Erschüttert zu sehr sein Herz, Vor Freude erwacht der Kranke Und fühlt den alten Schmerz.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Kranke" von Friedrich Hebbel beschreibt die emotionale und körperliche Verfassung eines kranken Menschen, der von Hoffnungslosigkeit und Schmerz geplagt wird. Der Kranke liegt schwer und bang in seinem Bett, als der erste Lenzhauch in die schwüle Stätte dringt. Ein geöffnetes Fenster ermöglicht ihm, die frische Luft zu spüren und seine heißen Wangen sowie die glühende Stirn zu kühlen. Die sanfte Berührung der Blüten, die sich aus dem Baum gelockt haben, gibt dem Hoffnungslosen im süßen Traum die Genesung. Doch der holde Gedanke der Genesung erschüttert den Kranke zu sehr, und vor Freude erwacht er. Doch anstatt Heilung zu finden, fühlt er den alten Schmerz erneut. Das Gedicht verdeutlicht die Ambivalenz zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen dem Wunsch nach Genesung und der Realität des anhaltenden Leidens. Es zeigt, wie der Kranke von seinen Träumen und Sehnsüchten geplagt wird, die ihm nur kurzzeitig Linderung verschaffen, um dann wieder in die harte Realität zurückzukehren. Das Gedicht "Der Kranke" von Friedrich Hebbel ist ein eindringliches Werk, das die emotionale und körperliche Qual des Kranken zum Ausdruck bringt. Es verdeutlicht die menschliche Sehnsucht nach Heilung und die bittere Enttäuschung, wenn die Hoffnung nur von kurzer Dauer ist. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Fragilität des menschlichen Daseins und die Unausweichlichkeit von Schmerz und Leid an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Genesung in süßem Traum
- Bildsprache
- Wie schlief er so schwer und so bang
- Metapher
- Das Blüten gelockt aus dem Baum
- Personifikation
- Der erste Lenzhauch drang
- Symbolik
- Der erste Lenzhauch