Der Kranke
1929Manchmal hebe ich meine Hände von der Decke ins Licht. Nicht lange, denn sie sind schwer; und sehe wie das Licht Sie umflicht mit einem roten Geäst von Blut. Ich fühle eine fremde Wärme, die mir nicht wehe tut, Mich in einen milden Schlafschleier spinnen. Alle Menschen kommen und gehn und sind gut. Sie sagen: ich leide. Doch ich vergaß das. - Leid? - Ich kann mich dunkel immer nur auf eins besinnen: Irgendwo in der Ferne vergeht die Zeit. Irgendwo in der Ferne muß mein Leben verrinnen.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Kranke" von Maria Luise Weissmann schildert die innere Erfahrung eines Kranken, der sich von seiner Umgebung entfremdet fühlt. Die Hände, die er ins Licht hebt, sind schwer und von einem roten Geäst von Blut umflicht, was auf eine körperliche Erkrankung oder Verletzung hindeutet. Die fremde Wärme, die ihn umgibt, scheint ihn in einen milden Schlaf zu versetzen, was auf eine Art von Schmerzlinderung oder Betäubung hindeutet. Die Menschen um den Kranken herum kommen und gehen, und er empfindet sie als gut. Sie sagen, dass er leide, aber er selbst hat das Leid vergessen. Stattdessen kann er sich nur noch auf eine diffuse Erinnerung besinnen: irgendwo in der Ferne vergeht die Zeit und sein Leben rinnt dahin. Diese Vorstellung vermittelt ein Gefühl von Entfremdung und Loslösung von der Realität, als ob der Kranke in einer Art Traum- oder Todeszustand wäre. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Melancholie und Resignation. Der Kranke scheint sich in einem Zustand der Passivität und Gleichgültigkeit zu befinden, in dem er sich von der Außenwelt abwendet und sich in seine innere Welt zurückzieht. Die Bilder von Licht, Wärme und Schlaf vermitteln eine Art von Geborgenheit und Schutz, aber auch von Isolation und Abgeschiedenheit. Das Gedicht lässt den Leser an der Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein, zwischen Gegenwart und Vergangenheit stehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Alle Menschen kommen und gehn und sind gut
- Metapher
- muss mein Leben verrinnen
- Personifikation
- das Licht...umflicht
- Rhetorische Frage
- Leid?