Der Kranke
1788Vögelein munter Singen so schön, Laßt mich hinunter Spazieren gehn!
»Nacht ists ja draußen; ′s war nur der Sturm, Den du hörst sausen Droben vom Turm.«
Liebchen im Garten Seh ich dort stehn, Lang mußt sie warten, O laßt mich gehn.
»Still nur, der blasse Tod ists, der sacht Dort durch die Gasse Schleicht in der Nacht.«
Wie mir ergraute, Bleiches Gesicht! Gebt mir die Laute, Mir wird so licht!
»Was willst du singen In tiefster Not? Lenz, Lust vergingen, Liebchen ist tot!« -
Laßt mich, Gespenster! Lied, riegl auf die Gruft! Öffnet die Fenster, Luft, frische freie Luft!
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Kranke" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Sterbenden, der sich nach Freiheit und Leben sehnt. Der Kranke bittet die Vögel, ihn hinauszulassen, um spazieren zu gehen, doch wird ihm gesagt, dass es Nacht und Sturm draußen ist. Er glaubt, seine Geliebte im Garten zu sehen und möchte zu ihr, aber ihm wird gesagt, dass es der Tod ist, der durch die Straßen schleicht. Trotz der düsteren Realität wird der Kranke von einem plötzlichen Licht erfüllt und möchte ein Lied auf seiner Laute singen. Doch ihm wird gesagt, dass Frühling und Lust vorbei sind und seine Geliebte tot ist. Am Ende fleht der Kranke darum, dass sein Lied auf sein Grab gelegt und die Fenster geöffnet werden, damit er frische, freie Luft atmen kann. Das Gedicht beschreibt den Kampf des Sterbenden zwischen dem Wunsch nach Leben und der Akzeptanz des Todes.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Still nur, der blasse Tod ists, der sacht Dort durch die Gasse Schleicht in der Nacht
- Ironie
- Liebchen im Garten Seh ich dort stehn, Lang mußt sie warten, O laßt mich gehn
- Metapher
- Öffnet die Fenster, Luft, frische freie Luft
- Personifikation
- Vögelein munter Singen so schön
- Rhetorische Frage
- Was willst du singen In tiefster Not?