Der Komet

Erich Kurt Mühsam

1907

Der Stern, der bei der Venus steht, schau, Mädchen, und begreif: Der neue Stern ist ein Komet. Kühn spreizt sich ihm der Schweif.

Es staunt der Mond: Was will der Wicht mit seinem langen Schwanz? Mich dünkt das ganze Himmelslicht erstrahlt in jungem Glanz.

Schau, Mädchen, wie der Mond von Gift und Eifersucht sich bläht, weil des Kometen starke Schrift am Himmel Sünden sät.

Es glitzert Venus, Juno lacht, Uranus aber zwinkt, wenn dieser Neuling Nacht für Nacht mit seinem Zierat winkt.

Bald sinkt er wieder in den Raum. Dann kommt er nur noch fern der Venus manchmal in den Traum und manchem andern Stern.

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Illustration zu Der Komet

Interpretation

Das Gedicht "Der Komet" von Erich Kurt Mühsam beschreibt die Ankunft eines Kometen am Nachthimmel und die Reaktionen der anderen Himmelskörper darauf. Der Komet, ein neuer und auffälliger Stern, zieht mit seinem prächtigen Schweif die Aufmerksamkeit auf sich und verändert das Erscheinungsbild des nächtlichen Himmels. Die anderen Sterne und Planeten reagieren unterschiedlich auf den Neuankömmling: Der Mond empfindet Neid und Eifersucht, während Venus und Juno eher amüsiert sind. Uranus hingegen scheint den Kometen mit einem Augenzwinkern zu begrüßen. Das Gedicht kann als Allegorie auf den Einfluss eines Neulings oder einer neuen Idee in einer etablierten Gemeinschaft interpretiert werden. Der Komet steht symbolisch für etwas Neues und Aufregendes, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht und die bestehende Ordnung durcheinanderbringt. Die verschiedenen Reaktionen der Himmelskörper spiegeln die unterschiedlichen Einstellungen wider, die Menschen gegenüber Neuerungen haben können: Neid, Skepsis, Amüsement oder Offenheit. Am Ende des Gedichts verschwindet der Komet wieder in den Weiten des Alls und wird nur noch fern von Venus und anderen Sternen geträumt. Dies kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass Neuerungen oft nur von kurzer Dauer sind und nach ihrem Verschwinden als schöne Erinnerung zurückbleiben. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, über den Umgang mit Veränderungen und Neuem nachzudenken und die verschiedenen Reaktionen darauf zu reflektieren.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Schau, Mädchen, wie der Mond von Gift und Eifersucht sich bläht
Bildsprache
Kühn spreizt sich ihm der Schweif
Hyperbel
das ganze Himmelslicht erstrahlt in jungem Glanz
Metapher
mit seinem Zierat winkt
Personifikation
Uranus aber zwinkt
Symbolik
der Venus manchmal in den Traum
Vergleich
Es glitzert Venus, Juno lacht