Der König in Thule
1774Es war ein König in Thule Gar treu bis an das Grab, Dem sterbend seine Buhle Einen goldnen Becher gab.
Es ging ihm nichts darüber, Er leert’ ihn jeden Schmaus; Die Augen gingen ihm über, Sooft er trank daraus.
Und als er kam zu sterben, Zählt’ er seine Städt im Reich, Gönnt’ alles seinem Erben, Den Becher nicht zugleich.
Er saß beim Königsmahle, Die Ritter um ihn her, Auf hohem Vätersaale, Dort auf dem Schloß am Meer.
Dort stand der alte Zecher, Trank letzte Lebensglut, Und warf den heil’gen Becher Hinunter in die Flut.
Er sah ihn stürzen, trinken Und sinken tief ins Meer. Die Augen täten ihm sinken; Trank nie einen Tropfen mehr.
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Interpretation
Das Gedicht "Der König in Thule" von Johann Wolfgang von Goethe erzählt die Geschichte eines treuen Königs, der am Ende seines Lebens einen goldenen Becher, ein Geschenk seiner Geliebten, ins Meer wirft. Der König schätzt den Becher über alles und trinkt aus ihm bei jedem Festmahl, wobei ihm oft die Augen übergehen vor Rührung. Als er stirbt, verteilt er sein Reich an seinen Erben, behält sich jedoch den Becher vor. In der letzten Strophe des Gedichts wird die dramatische Szene beschrieben, in der der König, sitzend bei einem königlichen Mahl, den Becher ins Meer wirft. Er beobachtet, wie der Becher ins Wasser stürzt und sinkt, und stirbt kurz darauf. Der König stirbt treu bis zum Ende, indem er den Becher nicht an seinen Erben weitergibt, sondern mit ihm ins Meer folgt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- stürzen, trinken
- Anapher
- Die Augen gingen ihm über, Sooft er trank daraus
- Bildlichkeit
- Trank letzte Lebensglut
- Enjambement
- Es war ein König in Thule Gar treu bis an das Grab
- Hyperbel
- Gar treu bis an das Grab
- Kontrast
- Zählte seine Städt im Reich, Gönnt' alles seinem Erben, Den Becher nicht zugleich
- Metapher
- Gar treu bis an das Grab
- Personifikation
- Die Augen gingen ihm über
- Symbolik
- goldnen Becher