Der Knabe sprach mit Lust

Bettina von Arnim

1785

Der Knabe sprach mit Lust, Es saugt an meiner Brust Ein kleines Kindlein fein; Ei Knab, du bist betrogen, Oder hast selbst gelogen, Dies kann fürwahr nicht sein; Die Fraun alleine haben Die süßen Muttergaben, Zu ziehn den Amor groß; Denn daß in jungen Tagen Alle am Busen lagen Der Mutter in dem Schoß, Das zieht den Knaben groß.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Knabe sprach mit Lust" von Bettina von Arnim erzählt von einem Jungen, der voller Freude davon spricht, ein Kind an seiner Brust zu nähren. Die Worte des Jungen werden jedoch sofort von einer skeptischen Stimme infrage gestellt, die ihn entweder des Betrugs oder der Lüge bezichtigt. Die Kritik beruht auf der traditionellen Auffassung, dass nur Frauen die Fähigkeit besitzen, Kinder zu stillen und großzuziehen. Die skeptische Stimme argumentiert, dass die "süßen Muttergaben" ausschließlich den Frauen vorbehalten sind und dass der Knabe aufgrund seines Geschlechts nicht in der Lage sein kann, diese Rolle zu übernehmen. Die Erwähnung von Amor, dem Gott der Liebe, unterstreicht die Verbindung zwischen Mutterschaft und der Entwicklung von Liebe und Zuneigung im Kindesalter. Das Gedicht endet mit der Erklärung, dass es die Erfahrung, in den Armen der Mutter gelegen zu haben, ist, die den Knaben zu dem macht, was er ist. Es betont die Bedeutung der mütterlichen Fürsorge und Liebe für die Entwicklung eines Kindes und stellt gleichzeitig die traditionellen Geschlechterrollen in Frage, indem es die anfängliche Behauptung des Jungen aufstellt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Knabe sprach mit Lust
Hyperbel
Die Fraun alleine haben Die süßen Muttergaben
Metapher
Zu ziehn den Amor groß
Personifikation
Ei Knab, du bist betrogen
Symbolik
Der Mutter in dem Schoß