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Der Knabe mit dem Wunderhorn

Von

Ich bin ein lust′ger Geselle,
Wer könnt auf Erden fröhlicher sein!
Mein Rößlein so helle,
Das trägt mich mit Windesschnelle
Ins blühende Leben hinein!

Es tönt an meinem Munde
Ein silbernes Horn von süßem Schall,
Es tönt wohl manche Stunde,
Von Fels und Wald in der Runde
Antwortet der Widerhall.

Und komm ich zu festlichen Tänzen,
Zu Scherz und Spiel im sonnigen Wald,
Wo schmachtende Augen mir glänzen
Und Blumen den Becher bekränzen,
Da schwing ich vom Roß mich alsbald.

Süß lockt die Gitarre zum Reigen,
Ich küsse die Mädchen, ich trinke den Wein;
Doch will hinter blühenden Zweigen
Die purpurne Sonne sich neigen,
Da muß geschieden sein.

Es zieht mich hinaus in die Ferne,
Ich gebe dem flüchtigen Rosse den Sporn,
Ade! Wohl blieb ich noch gerne,
Doch winken schon andre Sterne,
Und grüßend vertönet das Horn.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Der Knabe mit dem Wunderhorn von Emanuel Geibel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Knabe mit dem Wunderhorn“ von Emanuel Geibel beschreibt die unbeschwerte Lebensfreude eines jungen Mannes, der sich auf seinem schnellen Pferd durch das Leben bewegt. Die ersten beiden Strophen etablieren ein Bild von Sorglosigkeit und Jugendlichkeit. Der Knabe ist ein „lust’ger Geselle“, dessen Glück durch sein schnelles Pferd und das silberne Horn, das er spielt, unterstrichen wird. Das Horn, das in den Felsen und Wäldern Widerhall findet, symbolisiert die Ausbreitung seiner Freude und das Echo seines jugendlichen Enthusiasmus.

Die dritte und vierte Strophe zeigen den Knaben im Zentrum festlicher Aktivitäten. Er genießt Tanz, Spiel, Wein und die Aufmerksamkeit junger Frauen. Die „schmachtenden Augen“ und die „Blumen, die den Becher bekränzen“ deuten auf die romantische Seite seines Lebens hin. Doch der Tag neigt sich und mit dem Untergang der Sonne kommt der Moment des Abschieds. Die „purpurne Sonne“, die sich „neigen“ muss, markiert das Ende des Vergnügens und den Beginn einer neuen Reise.

Die letzte Strophe offenbart das zentrale Motiv des Gedichts: die Rastlosigkeit und das Streben nach Neuem. Der Knabe muss weiterziehen, getrieben von einem unbändigen Drang nach Abenteuer. Er spornt sein Pferd an und verabschiedet sich von der aktuellen Situation. Die „andre Sterne“, die winken, symbolisieren neue Möglichkeiten und Ziele, die ihn in die Ferne ziehen. Das „grüßend vertönende Horn“ wird zum Abschiedslied, das sowohl Abschied als auch Vorfreude auf das Kommende ankündigt.

Insgesamt ist das Gedicht eine Ode an die Jugend, die Freiheit und die Unbeständigkeit des Lebens. Es feiert die Freude am Augenblick, aber auch die Notwendigkeit, sich immer wieder neuen Erfahrungen zu öffnen und weiterzuziehen. Das Wunderhorn steht dabei nicht nur für die Fähigkeit, Freude zu verbreiten, sondern auch für die Sehnsucht nach neuen Abenteuern und die Bereitschaft, Abschied zu nehmen, um neue Horizonte zu entdecken. Das Gedicht spiegelt somit eine romantische Vorstellung von Jugend wider, die von der Liebe zum Leben und dem unstillbaren Drang nach Freiheit geprägt ist.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.