Der Kirchhof

Friedrich Hölderlin

1843

Du stiller Ort, der grünt mit jungem Grase, Da liegen Mann und Frau, und Kreuze stehn, Wohin hinaus geleitet Freunde gehn, Wo Fenster sind glänzend mit hellem Glase.

Wenn glänzt an dir des Himmels hohe Leuchte Des Mittags, wann der Frühling dort oft weilt, Wenn geistige Wolke dort, die graue, feuchte, Wenn sanft der Tag vorbei mit Schönheit eilt!

Wie still ist′s nicht an jener grauen Mauer, Wo drüber her ein Baum mit Früchten hängt; Mit schwarzen tauigen, und Laub voll Trauer, Die Früchte aber sind sehr schön gedrängt.

Dort in der Kirch ist eine dunkle Stille Und der Altar ist auch in dieser Nacht geringe, Noch sind darin einige schöne Dinge, Im Sommer aber singt auf Feldern manche Grille.

Wenn einer dort Reden des Pfarrherrn hört, Indes die Schar der Freunde steht daneben, Die mit dem Toten sind, welch eignes Leben Und welcher Geist, und fromm sein ungestört.

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Illustration zu Der Kirchhof

Interpretation

Das Gedicht "Der Kirchhof" von Friedrich Hölderlin beschreibt einen stillen Ort, der mit jungem Gras bewachsen ist und wo Menschen begraben liegen. Der Ort wird als friedvoll dargestellt, mit glänzenden Fenstern und einem Baum, der über der grauen Mauer hängt und Früchte trägt. Die Stille und die Schönheit des Ortes werden betont, wobei der Baum mit seinen schwarzen, tauigen Blättern und den dicht gedrängten Früchten eine melancholische Stimmung vermittelt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Kirche selbst beschrieben. Es herrscht eine dunkle Stille in der Kirche, und der Altar wird als geringfügig dargestellt. Dennoch gibt es einige schöne Dinge in der Kirche. Im Sommer singt auf den Feldern eine Grille, was einen Kontrast zur Stille der Kirche bildet. Die Anwesenheit des Pfarrers und der Freunde, die beim Toten stehen, wird erwähnt, was auf eine religiöse Zeremonie oder einen Trauergottesdienst hindeutet. Das Gedicht endet mit einer Betrachtung über das Leben und den Geist eines Menschen, der den Worten des Pfarrers lauscht. Es wird betont, dass ein eigener Lebensweg und ein eigener Geist existieren, und dass es möglich ist, fromm zu sein, ohne gestört zu werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine meditative und nachdenkliche Stimmung, die den Leser zum Nachdenken über Leben, Tod und Spiritualität anregt.

Schlüsselwörter

freunde stiller ort grünt jungem grase liegen mann

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
geistige Wolke dort, die graue, feuchte
Bildsprache
Wenn glänzt an dir des Himmels hohe Leuchte Des Mittags, wann der Frühling dort oft weilt
Kontrast
Welch eignes Leben Und welcher Geist, und fromm sein ungestört
Metapher
Wo drüber her ein Baum mit Früchten hängt; Mit schwarzen tauigen, und Laub voll Trauer
Personifikation
wann der Frühling dort oft weilt