Der keiser als spileman
1930Ob ich mich selben rüemen sol, sô bin ich des ein hübescher man, daz ich sô manege unfuoge dol sô wol als ichz gerechen kan. ein klôsenære, ob erz vertrüege? ich wæne, er nein. hæt er die stat als ich si hân, bestüende in danne eine zörnelîn, ez wurde unsanfter widertân. swie sanfte ichz alsô lâze sîn, daz und ouch mê vertrage ich doch dur eteswaz.
Frouwe, ir sît schoene und sît ouch wert: der zwein stêt wol genâde bî. waz schadet iu daz man iuwer gert? joch sint iedoch gedanke frî. wân und e wunsch daz wolde ich allez ledic lân: höveschent mîne sinne dar, waz mag ichs, gebents iu mînen sanc? des nement ir lîhte niender war: sô hân ichs doch vil hôhen danc. treit iuch mîn lop ze hove, daz ist mîn werdekeit.
Frouwe, ir habt mir geseit alsô, swer mir beswære mînen muot, daz ich den mache wider frô; er schame sich lîhte und werde guot. diu lêre, ob si mit triuwen sî, daz schîne an iu. als fröwe iuch, ir beschwærtet mich: des schamt iuch, ob ichz reden getar, lât iuwer wort niht velschen sich, und werdet guot: sô habt ir wâr. vil guot sît ir, dâ von ich guot von guote wil.
Frouwe, ir habet ein werdez tach an iuch geslouft, den reinen lîp, wan ich nie bezzer kleit gesach: ir sît ein wol bekleidet wîp. sin unde sælde sint gesteppet wol dar in. getragene wât ich nie genam: dise næm ich als gerne ich lebe. der keiser wurde ir spileman, umb also wünneclîche gebe, dâ keiser spil. nein, hêrre keiser, anderswâ!
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Interpretation
Das Gedicht "Der keiser als spileman" von Walther von der Vogelweide handelt von einem Dichter, der sich selbst als talentierten Spielmann preist. Er betont seine Fähigkeit, selbst mit schwierigen und ungeschickten Personen umzugehen, und vergleicht sich mit einem verschlossenen Kästchen, das standhaft bleibt, selbst wenn es geöffnet wird. Der Dichter wendet sich an eine schöne Frau und bittet sie, ihre Zurückhaltung aufzugeben und seine Dienste anzunehmen. Er verspricht ihr, dass er ihr alles geben würde, was sie sich wünscht, und dass er ihr seinen Gesang widmen würde, wenn sie ihn annähme. In der zweiten Strophe erinnert der Dichter die Frau an ihre Worte, dass er jeden, der seine Stimmung trübt, wieder fröhlich machen würde. Er fordert sie auf, ihre Worte nicht zu verdrehen und gut zu werden, wenn sie es wirklich ist. Der Dichter betont, dass er von ihrer Güte angezogen wird und dass er von Güte nur Gutes erwarten kann. In der dritten Strophe lobt der Dichter die Frau für ihre Kleidung und ihren Körper, den er als rein und gut gekleidet beschreibt. Er vergleicht sie mit einem Spielmann des Kaisers und wünscht sich, dass der Kaiser selbst ihr Spielmann sein könnte, um so glücklich zu sein wie er. Der Dichter schließt mit dem Ausruf "Nein, Herr Kaiser, anderswo!" und betont damit, dass die Frau nur ihm gehören sollte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sô sanfte ichz alsô lâze sîn
- Bildsprache
- ir sît schoene und sît ouch wert
- Hyperbel
- der keiser würde ir spileman umb also wünneclîche gebe
- Metapher
- der keiser spil
- Personifikation
- daz ich sô manege unfuoge dol sô wol als ichz gerechen kan
- Rhetorische Frage
- waz schadet iu daz man iuwer gert?
- Vergleich
- der zwein stêt wol genâde bî