Der Kehraus
1835Es fiedeln die Geigen, Da tritt in den Reigen Ein seltsamer Gast, Kennt keiner den Dürren, Galant aus dem Schwirren Die Braut er sich faßt.
Hebt an, sich zu schwenken In allen Gelenken. Das Fräulein im Kranz: “Euch knacken die Beine. -” “Bald rasseln auch deine, Frisch auf spiel′t zum Tanz!”
Ein Kenner im Ringe Betrachtet die Sprünge, Er findet′s gemein. “Dir kann′s auch nicht schaden!” Die vornehmen Waden Muß er schwingen im Reih′n.
Die Spröde hinter′m Fächer, Der Zecher vom Becher, Der Dichter so lind, Muß auch mit zum Tanze, Daß die Lorbeern vom Kranze Fliegen im Wind.
So schnurret der Reigen Zum Saal ′raus in′s Schweigen Der prächtigen Nacht, Die Klänge verwehen, Die Hähne schon krähen, Da verstieben sie sacht. -
So ging′s schon vor Zeiten Und geht es noch heute, Und hörest du hell Aufspielen zum Reigen, Wer weiß, wem sie geigen - Hüt′ dich, Gesell!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Kehraus" von Joseph von Eichendorff beschreibt eine nächtliche Tanzszene, die mit einem mysteriösen Gast beginnt und in einem flüchtigen, fast geisterhaften Ende mündet. Der "seltsame Gast" tritt in den Reigen ein und ergreift die Braut, was auf eine unheimliche oder übernatürliche Präsenz hindeutet. Die Geigen spielen auf, und die Tanzenden schwingen sich in wilden Bewegungen, wobei die Braut besorgt über die knarrenden Beine des Gastes ist, der ihr jedoch erwidert, dass ihre Beine bald auch "rasseln" werden. Die Tanzszene wird von verschiedenen Figuren beobachtet und kommentiert, darunter ein Kenner, der die Sprünge als gemein empfindet, und andere, die ebenfalls zum Tanzen gezwungen werden. Die "Spröde" hinter ihrem Fächer, der "Zecher" vom Becher und der "Dichter" müssen alle mittanzen, was die allumfassende Natur des Tanzes und seine unwiderstehliche Anziehungskraft symbolisiert. Die "Lorbeern vom Kranze" fliegen im Wind, was auf die Vergänglichkeit von Ruhm und Schönheit hindeutet. Am Ende des Gedichts verlassen die Tanzenden den Saal und treten in die "prächtige Nacht" hinaus, wo die Klänge verwehen und die Hähne krähen. Die Szene löst sich in Stille auf, und die Tänzer "verstieben sacht". Der letzte Vers warnt den Leser, sich vor den Geigern zu hüten, die zum Reigen aufspielen, da man nie weiß, wem sie geigen. Dies könnte als eine Warnung vor den verführerischen und gefährlichen Aspekten des Lebens und der Vergänglichkeit aller Dinge interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Hüt′ dich, Gesell
- Personifikation
- Es fiedeln die Geigen