Der Kadett

Adolf Friedrich Graf von Schack

1897

Nicht mir ein Alter, matt und siech, Nicht mir der Tod auf dem Krankenbett! Nein, sterben möcht′ ich im fröhlichen Krieg, Wie bei Aspern der junge Kadett; Ihm that es von allen im Hillerschen Corps Beim Stürmen des Dorfes nicht einer zuvor.

Unnahbar drohte die Schanze dort, Von der die französische Batterie Den Deutschen entgegen fort und fort Kartätschen und Kugeln spie, Und »Vorwärts das dritte Bataillon!« Erscholl das Kommando zweimal schon.

Starr standen sie all vor dem Donnergekrach; Da trat aus den Reihen hervor der Kadett Und klomm nach oben; die andern ihm nach, Gefällt das Bajonett; Rings pfiffen die Kugeln; doch allen vorauf Bahn brach sich der Jüngling im Sturmeslauf.

Am Ziele stand er nach heißem Kampf Und pflanzte die Fahne: Hurra! hurra! Vorübersprengend im Pulverdampf Rief Hiller nach oben: »Sieh da! Dich nenn′ ich den Besten im Bataillon; Doch sage, bist du verwundet, mein Sohn?«

Da blickte der Jüngling nach unten groß; Stolz färbte von neuem die Wangen ihm rot; Er jubelte: »O, nicht verwundet bloß, Mein General, ich bin tot!« Dann sank er zusammen; zur ewigen Ruh′ Deckten die Siegesbanner ihn zu.

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Illustration zu Der Kadett

Interpretation

Das Gedicht "Der Kadett" von Adolf Friedrich Graf von Schack erzählt die Geschichte eines jungen Soldaten, der im Kampf fällt. Es beginnt mit einer persönlichen Aussage des Sprechers, der den Tod im Krieg einem langsamen Dahinsiechen vorzieht. Der Fokus liegt dann auf einem Kadetten, der bei der Schlacht von Aspern als Erster eine Schanze stürmt und dabei den Mut der gesamten Truppe anfeuert. Der Text schildert die Gefahr durch französische Artillerie, den Zögern der Soldaten und den entschlossenen Vorstoß des Jünglings, der die Gruppe anführt. In der zweiten Hälfte wird der Moment des Triumphs und des tragischen Endes beschrieben. Der Kadett pflanzt die Fahne, wird von seinem General gelobt, doch als dieser nach einer möglichen Verwundung fragt, offenbart der Junge, dass er bereits tot ist. Sein stolzer Ausdruck und sein letzter Jubel unterstreichen seinen heroischen Charakter. Der Schluss zeigt, wie er von den Siegesfahnen bedeckt wird – ein Symbol für seine Aufnahme in die Unsterblichkeit des Kriegshelden. Das Gedicht verherrlicht den heroischen Tod im Kampf und stellt den jungen Kadetten als Idealbild des selbstlosen Soldaten dar. Durch die dramatische Inszenierung und die direkte Rede entsteht eine emotionale Wirkung, die den Leser für das Opfer und die Tapferkeit des Einzelnen einnimmt. Die Form des Gedichts, mit ihrem rhythmischen Aufbau und den ausdrucksstarken Bildern, unterstützt die patriotische und romantische Stimmung, die den Tod im Dienst als erstrebenswerte Erfüllung darstellt.

Schlüsselwörter

kadett allen fort kugeln bataillon oben jüngling hurra

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Stilmittel

Anapher
Vorwärts das dritte Bataillon!
Bildsprache
Unnahbar drohte die Schanze dort
Hyperbel
Rings pfiffen die Kugeln; doch allen vorauf
Ironie
Er jubelte: 'O, nicht verwundet bloß, Mein General, ich bin tot!'
Kontrast
Nicht mir ein Alter, matt und siech, Nicht mir der Tod auf dem Krankenbett! Nein, sterben möcht' ich im fröhlichen Krieg
Metapher
Nicht mir ein Alter, matt und siech
Personifikation
Von der die französische Batterie den Deutschen entgegen fort und fort Kartätschen und Kugeln spie
Symbolik
Die Fahne