Der junge Ehemann

Joseph von Eichendorff

1841

Hier unter dieser Linde Saß ich viel tausendmal Und schaut nach meinem Kinde Hinunter in das Tal, Bis daß die Sterne standen Hell über ihrem Haus, Und weit in den stillen Landen Alle Lichter löschten aus.

Jetzt neben meinem Liebchen Sitz ich im Schatten kühl, Sie wiegt ein muntres Bübchen, Die Täler schimmern schwül, Und unten im leisen Winde Regt sich das Kornfeld kaum, Und über uns säuselt die Linde - Es ist mir noch wie ein Traum.

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Illustration zu Der junge Ehemann

Interpretation

Das Gedicht "Der junge Ehemann" von Joseph von Eichendorff beschreibt die Gefühlswelt eines jungen Mannes, der von einer Zeit voller Sehnsucht und Hoffnung in eine Phase des Glücks und der Erfüllung übergegangen ist. Die Interpretation erfolgt in drei bis vier Absätzen. Der erste Abschnitt des Gedichts schildert eine Zeit der Einsamkeit und Sehnsucht. Der junge Mann sitzt unter einer Linde und blickt in das Tal hinunter, wo sein geliebtes Kind wohnt. Die Sterne über dem Haus des Kindes und das Erlöschen der Lichter in der Ferne vermitteln eine Atmosphäre der Stille und der vergehenden Zeit. Die Wiederholung des Sitzens unter der Linde deutet auf eine lang andauernde Wartezeit hin, die von Sehnsucht und Hoffnung geprägt ist. Im zweiten Abschnitt des Gedichts wird ein Wendepunkt deutlich. Der junge Mann sitzt nun nicht mehr allein, sondern neben seiner Liebsten. Sie wiegt ein fröhliches Bübchen, was darauf hindeutet, dass er geheiratet hat und nun Vater ist. Die Umgebung wird als schwül und still beschrieben, was eine harmonische und idyllische Atmosphäre schafft. Die Linde, unter der er sitzt, säuselt über ihnen, was ein Gefühl von Geborgenheit und Zufriedenheit vermittelt. Der letzte Abschnitt des Gedichts reflektiert die Veränderung im Leben des jungen Mannes. Das Kornfeld regt sich kaum im leisen Wind, was auf eine friedliche und ruhige Umgebung hindeutet. Der junge Mann fühlt sich, als ob alles noch wie ein Traum wäre, was darauf schließen lässt, dass er sich immer noch nicht ganz an sein neues, glückliches Leben gewöhnt hat. Die Überleitung von der Sehnsucht zur Erfüllung wird als fast unwirklich empfunden, was die Intensität seiner Gefühle unterstreicht. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe emotionale Reise von der Einsamkeit und Sehnsucht zur Erfüllung und zum Glück. Die Naturbilder und die ruhige Atmosphäre tragen zur Stimmung des Gedichts bei und unterstreichen die inneren Veränderungen des Protagonisten.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Und
Metapher
Es ist mir noch wie ein Traum
Personifikation
Bis daß die Sterne standen
Vergleich
Es ist mir noch wie ein Traum