Der Jüngling am Meere

Charlotte von Ahlefeld

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Es sass ein Jüngling am Meere, Und sang ein trauriges Lied, Von Sturm und Wellengeräusche, In denen sein Liebchen verschied.

Da lächelte golden und ruhig Des Mondes Antlitz ihn an; Im Busen wurd′ es ihm heller - - Er schaute beruhigt hinan.

Es kehrte die Hoffnung ihm wieder, Zwar nicht mehr auf irdisches Glück; Doch zog sie ihn lächelnd und tröstend Vom Abgrund des Jammers zurück.

»Dort, wo die Fluthen erbrausen, Wo schäumend die Woge sich bricht, Wo heulende Stürme ersausen - Dort weilt die Geliebte nicht.

Es hob aus der niederen Sphäre Sich strahlend zum Himmel ihr Geist. Die Hülle nur schlummert im Meere, Von tobenden Wellen umkreist.

Sie selbst lebt über den Sternen Und lächelt mit liebender Huld Dort oben aus ewigen Fernen In′s blutende Herz mir Geduld!«

So sang er mit schmelzenden Tönen Und stillte sein trauerndes Herz, Denn Zuversicht, Hoffnung und Glaube Besänftigen irdischen Schmerz.

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Illustration zu Der Jüngling am Meere

Interpretation

Das Gedicht "Der Jüngling am Meere" von Charlotte von Ahlefeld handelt von einem jungen Mann, der am Meer sitzt und ein trauriges Lied über den Verlust seiner Geliebten singt. Die Natur um ihn herum spiegelt seine Trauer wider, doch das ruhige Antlitz des Mondes bringt ihm Trost und Hoffnung zurück. Er erkennt, dass seine Geliebte nicht in der stürmischen See, sondern im Himmel bei den Sternen weilt. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod und die Vorstellung, dass seine Geliebte von dort aus auf ihn herabblickt, geben ihm Kraft und Geduld. Am Ende des Gedichts hat der Jüngling seinen Schmerz durch Zuversicht, Hoffnung und Glauben besänftigt und singt mit schmelzenden Tönen, um sein trauerndes Herz zu stillen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
Denn Zuversicht, Hoffnung und Glaube Besänftigen irdischen Schmerz
Personifikation
Doch zog sie ihn lächelnd und tröstend Vom Abgrund des Jammers zurück