Der Jäger

Wilhelm Müller

1823

Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier? Bleib, trotziger Jäger, in deinem Revier! Hier gibt es kein Wild zu jagen für dich, Hier wohnt nur ein Rehlein, ein zahmes, für mich, Und willst du das zärtliche Rehlein sehn, So laß deine Büchsen im Walde stehn, Und laß deine klaffenden Hunde zu Haus, Und laß auf dem Horne den Saus und Braus, Und schere vom Kinne das struppige Haar, Sonst scheut sich im Garten das Rehlein fürwahr. Doch besser, du bliebest im Walde dazu Und ließest die Mühlen und Müller in Ruh. Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig? Was will den das Eichhorn im bläulichen Teich? Drum bleibe, du trotziger Jäger, im Hain, Und laß mich mit meinen drei Rädern allein; Und willst meinem Schätzchen dich machen beliebt, So wisse, mein Freund, was ihr Herzchen betrübt: Die Eber, die kommen zur Nacht aus dem Hain Und brechen in ihren Kohlgarten ein Und treten und wühlen herum in dem Feld: Die Eber, die schieß, du Jägerheld!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Jäger

Interpretation

Das Gedicht "Der Jäger" von Wilhelm Müller handelt von einem Konflikt zwischen einem Jäger und dem Sprecher, der offenbar in der Nähe einer Mühle lebt. Der Sprecher bittet den Jäger, sein Revier zu verlassen und sich nicht in die friedliche Umgebung einzumischen. Er betont, dass es hier kein Wild gibt, das der Jäger jagen könnte, sondern nur ein zahmes Reh, das ihm gehört. Der Sprecher fordert den Jäger auf, seine Waffen und Hunde zurückzulassen und sein wildes Erscheinungsbild zu zähmen, um das Reh nicht zu erschrecken. Der Sprecher macht deutlich, dass der Jäger in seinem Revier bleiben und die Mühle sowie den Müller in Ruhe lassen soll. Er fragt ironisch, was der Jäger mit den "Fischlein im grünen Gezweig" und dem "Eichhorn im bläulichen Teich" anfangen will, da dies offensichtlich keine Jagdbeute für ihn ist. Der Sprecher bittet den Jäger, ihn und seine "drei Rädler" (vermutlich die Mühlräder) in Frieden zu lassen. Im letzten Vers offenbart der Sprecher, was das Herz seiner Angebeteten betrübt: Wildschweine, die nachts aus dem Wald kommen und ihren Kohlgarten verwüsten. Er fordert den Jäger auf, diese "Jägerheld" zu erlegen, um die Angebetete glücklich zu machen. Das Gedicht endet mit einer ironischen Aufforderung an den Jäger, seine Fähigkeiten endlich sinnvoll einzusetzen.

Schlüsselwörter

laß jäger rehlein trotziger willst walde hain eber

Wortwolke

Wortwolke zu Der Jäger

Stilmittel

Anapher
Was sucht denn der Jäger am Mühlbach hier? Bleib, trotziger Jäger, in deinem Revier!
Bildsprache
Und treten und wühlen herum in dem Feld: Die Eber, die schieß, du Jägerheld!
Metapher
Was taugen die Fischlein im grünen Gezweig? Was will den das Eichhorn im bläulichen Teich?
Personifikation
Die Eber, die kommen zur Nacht aus dem Hain