Der Jäger am Mummelsee

August Kopisch

1824

Der Jäger trifft nicht Hirsch, nicht Reh, Verdrießlich geht er am Mummelsee. – »Was sitzet am Ufer? – ein Waldmännlein. Mit Golde spielt es im Abendschein!« –

Der Jäger legt an: »du Waldmännlein Bist heute mein Hirsch, dein Gold ist mein!«

Das Männlein aber taucht unter gut, – Der Schuß geht über die Mummelflut!

»»Ho, ho, du toller Jägersmann, Schieß du auf – was man treffen kann!

Geschenkt hätt ich dir all das Gold, Du aber hasts mit Gewalt gewollt!

Drum troll dich mit lediger Tasche nach Haus, Ihr Hirschlein tanzet, sein Pulver ist aus!««

Da springen ihm Häselein über das Bein, Und lachend umflattern ihn Lachtäubelein.

Und Elstern stibitzen ihm Brot aus dem Sack Mit Schabernack, husch, und mit Gick und Gack,

Und flattern zur Liebsten, und singen ums Haus: »Leer kommt er, leer kommt er, sein Pulver ist aus.«

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Jäger am Mummelsee

Interpretation

Das Gedicht "Der Jäger am Mummelsee" von August Kopisch erzählt die Geschichte eines frustrierten Jägers, der am Mummelsee vergeblich auf die Jagd nach Hirsch und Reh gegangen ist. In seiner Verzweiflung sieht er ein Waldmännlein, das am Ufer sitzt und mit Gold spielt. Der Jäger beschließt, das Waldmännlein zu erschießen und sich dessen Gold anzueignen. Doch das Männlein taucht geschickt unter, und der Schuss geht ins Leere. Das Gedicht verdeutlicht die menschliche Gier und den unbedingten Willen, Dinge mit Gewalt zu erlangen. Der Jäger hätte das Gold des Waldmännleins geschenkt bekommen, wenn er höflich gefragt hätte. Doch seine Gier und sein unbedachter Entschluss, das Männlein zu erschießen, führen zu seinem Scheitern. Die Tiere im Wald, wie Häselein, Lachtäubelein und Elstern, machen sich über den erfolglosen Jäger lustig und verbreiten die Nachricht von seinem leeren Beutel. Das Gedicht thematisiert auch die Vergänglichkeit menschlicher Macht und Stärke. Der Jäger, der normalerweise als stark und überlegen dargestellt wird, wird hier von den Tieren im Wald verspottet und gedemütigt. Sein Pulver, das Symbol seiner Jagdkunst, ist aufgebraucht, und er kehrt mit leeren Händen nach Hause zurück. Die Ironie des Gedichts liegt darin, dass der Jäger, der eigentlich der Jäger sein sollte, selbst zum Gejagten wird und von den Tieren, die er normalerweise erlegt, verspottet wird.

Schlüsselwörter

jäger hirsch geht waldmännlein gold haus pulver leer

Wortwolke

Wortwolke zu Der Jäger am Mummelsee

Stilmittel

Alliteration
Schabernack, husch, und mit Gick und Gack
Anapher
Leer kommt er, leer kommt er
Dialog
»Ho, ho, du toller Jägersmann«
Ironie
Schieß du auf – was man treffen kann
Metapher
Du Waldmännlein bist heute mein Hirsch
Personifikation
Da springen ihm Häselein über das Bein
Reimschema
AABB
Symbolik
Gold